• Werbegag war "gar nicht so lustig" - Statt kämpferischer Sprüche schmücken plötzlich Werbeslogans die Politik-Plakate

Berlin : Werbegag war "gar nicht so lustig" - Statt kämpferischer Sprüche schmücken plötzlich Werbeslogans die Politik-Plakate

Tobias Arbinger

Noch bis zum Sonntagabend lächelten die Spitzenkandidaten der Parteien von Tausenden von Plakaten auf Grünstreifen, Verkehrsinseln und Plätzen, an Straßenschildern und Laternen. Doch während viele Wahlplakate drei Tage nach der Stimmabgabe abgebaut werden, kleben auf anderen, zum Beispiel an der Kleiststraße in Schöneberg und am Hohenzollerndamm in Wilmersdorf, plötzlich reihenweise schwarze Poster oder gelbe Zettel. "Absolute Mehrheit für Opel Hetzer", heißt es dort. Die Poster werben für die Ausstellung "The Story of Berlin" im Kudamm-Karree. Offenbar ohne die Parteien zu fragen, haben sich Firmen die nach der Wahl überflüssigen Werbeflächen zunutze gemacht. Betroffen sind Werbeträger fast aller Parteien. "Gar nicht lustig", findet das der Sprecher des SPD-Landesverbandes, Frank Zimmermann.

Zumindest im Falle der Opel-Sticker werde "die Aufmerksamkeit für eine Partei für kommerzielle Werbung genutzt". Die großflächigen "Story of Berlin"-Poster störten ihn hingegen weniger, da sie die SPD-Wahlwerbung komplett verdeckten. Auch könne er nicht ausschließen, dass die Bochumer Plakatfirma Wesselmann diese nach der Wahl weitervermietet habe. Die Tafeln seien "widerrechtlich" überklebt worden heißt es hingegen aus Bochum. Allein die SPD hatte 10 000 Stelltafeln im Format A-Null sowie 1000 große "Wesselmann-Tafeln" in der Stadt aufstellen lassen. Zudem hat die Firma die großen FDP- und CDU-Plakate installiert.

Als Scherz versteht die Charlottenburger Autohändlerin Heidi Hetzer ihre Plakatieraktion. "Einen Tag nach der Wahl sehen die Plakate immer so trist aus", sagt sie. Zudem seien sie nun ja wertlos. Etwa tausend gelbe Sticker hat die Geschäftsfrau drucken und im weiteren Umkreis ihres Autohauses anbringen lassen. Die Aktion sei lustig gemeint, "die Stadt braucht was zu lachen", sagt Hetzer. Sie glaube nicht, dass sie dadurch auch nur ein Auto mehr verkaufen werde. Der Vermutung, die Werbeflächen gemietet zu haben, widersprach Hetzer. Schließlich habe sie die Parteien gar nicht gefragt. Streng genommen ist das Überkleben mit kommerzieller Werbung unzulässig. Das Straßengesetz verbietet "freistehende Werbeanlagen". Ausnahmen werden bei der Wahl und für Zirkusse gemacht oder müssen vom Senat genehmigt werden. Die Wahlwerbung darf frühestens sieben Wochen vor der Wahl aufgestellt werden und muss eine Woche danach entfernt sein. Für die Plätze müssen die Parteien nichts bezahlen.

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