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Werbekampagne in Tageszeitungen : Weiter Ungereimtheiten bei Olympia-Anzeige

Mit einer Anzeigenkampagne warb das Land für die Olympia-Bewerbung. Aber nach welchen Kriterien wurden die Zeitungen ausgewählt? Die Linkspartei kritisierte nun Senatschef Müller im Parlament. Der sagte, es habe kein "Belohn- und Bestrafungssystem" gegeben.

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Der Regierende Bürgermeister am Donnerstag im Parlament.
Der Regierende Bürgermeister am Donnerstag im Parlament.Foto: dpa

„Wir wollen die Spiele! Berlin für Olympia“ lautete die Überschrift einer Anzeige für die „Berliner Charta für Olympische und Paralympische Spiele“, die am Dienstag in mehreren Tageszeitungen geschaltet worden war. Darüber wollte Klaus Lederer, Abgeordneter der Linken, in der Fragestunde des Parlaments am Donnerstag vom Senat genauere Auskünfte haben.

Nachdem „in vier von fünf großen Tageszeitungen Berlins Anzeigen des Senats zur Charta für die Olympischen Spiele geschaltet waren“ und er im Tagesspiegel-Checkpoint eine „ironische Bezugnahme“ darauf gelesen habe, wollte er wissen, „wer hat wann und aufgrund welcher Kriterien über diese Anzeigenschaltung entschieden“. Die Antwort des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) befriedigte Lederer nicht.

Müller sagte, im Rahmen der Olympia-Bewerbungsphase laufe vieles über Berlin Partner, „auch die Frage, wo werden welche Anzeigen geschaltet“. Es sollte seines Wissens ein „ausgewogener Mix gefunden werden“ zwischen Boulevardblättern und anderen Zeitungen einschließlich Beilagen und Anzeigen. Dieser „Maßnahmenmix“ werde von Berlin Partner organisiert.

Lederer hakte nach und wollte wissen, ob „Anzeigenmittel aus Steuergeldern nach Willfährigkeit der Berichterstattung über die Sachperformance des Senats bei der Kampagne“ ausgegeben würden. Zumal der Senat „bei der Berichterstattung über die lustigen Foren in der vergangenen Woche“ im Tagesspiegel nicht so gut weggekommen sei. Müller sagte, er meine wohl das Bürgerforum am vergangenen Donnerstag. „Wenn das Ihre Form von Humor ist, ist das bedauernswert“, sagte er.

Öffentlichkeitskampagne kostet eine Million Euro

Er verwahrte sich gegen die Unterstellung, dass nur „bei den besonders unterstützenden Medien“ Anzeigen geschaltet würden. Nicht nur der Tagesspiegel, auch die Taz und andere hätten die Anzeige nicht bekommen. „Es gibt kein Belohn- und Bestrafungssystem durch Anzeigen, die der Senat schaltet.“ Die Kosten für die gesamte Öffentlichkeitskampagne würden sich auf rund eine Million Euro belaufen.

Lederer sagte danach, der Senat habe wegen der Verwendung erheblicher Steuermittel für die Bewerbung sehr genau darauf zu achten, dass „kein Eindruck der Ungleichbehandlung entsteht“. Es sei „schade, dass der Regierende die Fragen nicht präzise beantwortet hat“. Der Senat müsse im Eigeninteresse genau Zeugnis ablegen „über die Mittelverwendung und die Entscheidungswege“.

Nach Anzeigenbuchung "abgespeckt"

Die Senatskanzlei hatte zuvor gegenüber dem Tagesspiegel erklärt, man habe „pragmatisch und aus Kostengründen abgespeckt – auch im Sinne einer stärkeren regionalen Verwurzelung der Zeitungen mehr als die Entscheiderebene“. Dies sei nicht in einer Sitzung, sondern „im normalen Arbeitsprozess durch verschiedene Rücksprache zwischen Mitarbeitern hier und bei Berlin Partner“ entschieden und umgesetzt worden, „mitgetragen vom Lenkungskreis Olympia.“ Geschehen sei dies in der letzten Januarwoche.

Allerdings ging am Ende der besagten Woche, am 30. Januar, beim Tagesspiegel eine Anzeigeanfrage der beauftragten Agentur ein, und am 11. Februar, also zwei Wochen nach der angeblichen Entscheidung gegen den Tagesspiegel, wurde die Anzeige fest gebucht. Zwei Tage später, am 13. Februar, erfolgte das Storno mit dem Hinweis auf eine Entscheidung der Senatskanzlei. Dazwischen lag die Berichterstattung über das Bürgerforum. Senatssprecherin Daniela Augenstein versicherte, es habe „ keinerlei Entscheidungsgrundlage“ gegeben, „die sich in irgendeiner Form als Reaktion auf kritische Berichterstattung erklären lässt“. sib/lom

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