Berlin : Werbung: Der Kanzler soll weg

Cay Dobberke,Tobias Arbinger

Bereits zum dritten Mal geht das Bezirksamt Mitte gegen ein Riesenplakat an der Brandwand der DG Bank am Pariser Platz vor. Jetzt geht es um die 30 Meter hohe und 15 Meter breite Werbung des Nachrichtensenders N 24: Das Anfang Februar angebrachte Motiv zeigt Außenminister Joschka Fischer und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Doch die neue Stadtentwicklungs-Stadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) hat die verantwortliche Werbeagentur schriftlich aufgefordert, das Plakat an der Ecke Ebert- und Behrenstraße zu entfernen. Sie verweist erneut auf den Denkmalschutz für den Pariser Platz.

Im Vorjahr hatte Dubraus Amtsvorgänger Thomas Flierl (PDS) erfolglos versucht, zwei Riesenposter an derselben Stelle abhängen zu lassen. Das erste warb für die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover; die Expo-Leitung gewann schließlich vor dem Verwaltungsgericht gegen das Bezirksamt. Dabei spielte eine Rolle, dass die Expo einen Kooperationsvertrag mit Berlin hatte und die Richter dem größten Teil der Fläche zudem eine "künstlerische Aussage" zubilligten. Im Dezember nahm das Bezirksamt dann Anstoß an einer haushohen Werbung des Bundesfinanzministeriums für die "Steuerreform 2000". Finanzminister Hans Eichel (SPD) und die Werbeagentur ignorierten jedoch die Aufforderung Flierls, das Plakat "schnellstmöglich zu entfernen".

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Nun zeigt sich, dass auch Stadträtin Dubrau die Linie ihres Vorgängers weiterführt. Wie der neue Konflikt ausgehen wird, ist noch offen. Die in Potsdam ansässige Werbeagentur "Af-Fix" weigert sich jedenfalls, die N 24-Werbung abzunehmen und will notfalls vor Gericht ziehen. Die DG Bank möchte sich aus dem Streit heraushalten. Eine Sprecherin wies lediglich darauf hin, dass alle Werbemotive mit dem Geldinstitut abgesprochen seien: "Die Bank weiß, welche Plakate angebracht werden."

Unterdessen arbeiten das Bezirksamt und der Volkswagen-Konzern weiter an einer Lösung des Streits um sechs Firmenschilder am Autosalon "Lindencorso" an der Friedrichstraße. Eine Frist, wonach VW bis Ende Februar Änderungsvorschläge für die Werbung an dem Gebäude machen soll, wurde verlängert. Der Bezirk "präzisiert" nach Angaben von Stadträtin Dubrau das "Lindenstatut". Diese vom damaligen Verkehrssenator Jürgen Klemann erlassene Bauvorschrift regelt auch, wie Werbung Unter den Linden auszusehen hat.

Das Bezirksamt hatte den Eigentümern des Lindencorsos vorgeworfen, überdimensionierte Werbetafeln für sechs Automarken an der Fassade angebracht zu haben. Der Fall kam vor das Verwaltungsgericht. In der zweiten Instanz hatten sich die Kontrahenden Anfang Dezember darauf verständigt, eine gütliche Einigung anzustreben.

Für den Kampf gegen Werbe-Banner an prominenten Stellen in Mitte gibt es weitere Beispiele. So änderte die Telekom auf Druck des Bezirks ihr Riesenplakat am Brandenburger Tor, dessen Sanierung der Konzern unterstützt. Der damalige Stadtrat Flierl hatte zwar nichts dagegen, dass der Sponsor auf sich hinweist, lehnte aber das Motiv mit der Telekom-Werbefigur "Paulchen Panther" ab. Außerdem schwelt noch die Auseinandersetzung um Mineralwasser-Werbung an der Marienkirche.

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