Werbung für "Fack ju Göhte 3"? : Goethestraße hieß plötzlich "Göhtestraße"

Unbekannte haben eine Charlottenburger Straße mit Aufklebern umbenannt – vermutlich als Reklame für den Film „Fack ju Göhte 3“. Das Bezirksamt ist nicht amüsiert.

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Scherz mit dem Namen des Dichterfürsten: Zwei Tage lang stand „Göhtestraße“ auf Schildern der Charlottenburger Goethestraße.
Scherz mit dem Namen des Dichterfürsten: Zwei Tage lang stand „Göhtestraße“ auf Schildern der Charlottenburger Goethestraße.Foto: Cay Dobberke

Tagesspiegel-Leser Bernd Wirth und seine Frau staunten am vorigen Sonnabend bei ihrem Abendspaziergang durch die Charlottenburger Goethestraße. Die Straßenschilder sahen zwar fast normal aus, aber der Name darauf passte nicht mehr wirklich zum wohl berühmtesten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832). Irgend jemand hatte 17 Schilder im Bereich zwischen dem Steinplatz und dem Karl-August-Platz mit Folien überklebt, auf denen „Göhtestraße“ stand.

„Ist das ein blöder Dummer-Jungen-Streich oder (illegales?) Marketing für den dritten Teil der fulminanten Filmserie?“, fragte sich Bernd Wirth. Oder verdiene sich das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf gar ein „Zubrot“, indem es solche Werbegags anbiete?

Keine Bestätigung für Guerilla-Marketing

Die naheliegendste Vermutung ist natürlich, dass es sich um sogenanntes Guerilla-Marketing für den Film „Fack ju Göhte 3“ handelt, der seit Donnerstag in den Kinos läuft. Dafür spricht auch die professionelle Typografie. Bisher war aber nicht mehr zu erfahren. Beim Münchener Produktionsunternehmen Constantin Film hieß es, die für die Filmvermarktung zuständige Mitarbeiterin sei wegen des „Brückentags“ vor dem Reformationstag abwesend. Eine für Constantin tätige Berliner PR-Agentur teilte mit, sie wisse nichts von einer derartigen Aktion. Allerdings sei die Agentur für so etwas auch gar nicht zuständig, man konzentriere sich auf Kontakte zu Medien.

Bezirk entfernt die Folien und plant eine Anzeige

Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) erfuhr durch den Tagesspiegel von der Sache. Am Montag entfernte das Tiefbauamt alle Aufkleber. „Eine Anzeige gegen Unbekannt wird folgen“, kündigte der Stadtrat an.

Die anfangs perfekt anmutende Illusion des neuen Straßennamens hatte in der Nacht zu Sonntag etwas gelitten, weil sich die Plastikfolien durch den Sturm und Regen zu wölben begannen. Sieben Schilder der Goethestraße zwischen dem Karl-August-Platz und der Wilmersdorfer Straße waren unberührt geblieben – vielleicht hatten die unbekannten Täter diese übersehen oder nicht genug Material dabei.

Eigenmächtig veränderte Straßenbezeichnungen hat es in Berlin schon öfters gegeben, meistens standen politische Motive dahinter. So haben Aktivisten die Mohrenstraße in Mitte aus Protest gegen den angeblich historisch belasteten Namen schon zwei Mal symbolisch nach anderen Personen benannt.

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