Berlin : Werden deutsche Türken wieder ausgebürgert?

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Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

„400 000 Türken in Sorge“, hieß es am Freitag auf der Titelseite der Boulevardzeitung Hürriyet. Damit sind die Türken in Deutschland gemeint, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben. „Wer hat den Deutschen diesen Beleg gegeben?“, fragte die Zeitung empört auf der Titelseite ihrer Europabeilage. Dazu zeigte das Blatt den Computerausdruck einer Behörde in der Türkei, auf dem bestätigt wird, dass eine eingebürgerte Berliner Türkin ns „S.K.“, 1998 zu ihrem deutschen Pass wieder die türkische Staatsangehörigkeit angenommen hat. Dieser Beleg sei in die Hände der deutschen Botschaft in der Türkei geraten. Nun drohe der Frau der Verlust ihrer deutschen Staatsbürgerschaft.

Das deutsche Recht erlaubt erwachsenen Ausländern die doppelte Staatsbürgerschaft nicht. Deshalb müssen sie den deutschen Behörden nachweisen, dass sie ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgegeben haben, bevor sie den deutschen Pass bekommen. Vor der Verabschiedung des neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes am 1. Januar 2000 war es jedoch ein offenes Geheimnis, dass viele Türken nach der Einbürgerung die türkische Staatsbürgerschaft wieder annahmen, auch aus Angst davor, in ihrer Heimat das Eigentums- und Erbrecht zu verlieren.

Bis Januar 2000 wurde diese Rückeinbürgerung hingenommen. Nach dem neuen Einbürgerungs-Gesetz verliert der Eingebürgerte die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn die Behörden ihm die Rückeinbürgerung nachweisen können.

„Hürriyet“ vermutet, dass das türkische Innenministerium den Beleg auf Anfrage an die deutsche Botschaft in der Türkei ausgehändigt hat. Die Zeitung machte den diplomatischen Vertretungen in Deutschland schwere Vorwürfe: „Es werden auf keinen Fall Informationen herausgegeben. Ihr könnt Euch einbürgern lassen. Von uns erfährt keiner etwas‘, hätten Botschaft und Konsulate den Menschen versprochen.“

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