Berlin : Werden die Gründer verdrängt?

Die Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, über die Gedenkstätten-Pläne

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Sind Sie bereit, in der Stasi-Zentrale eine Nationale Gedenkstätte aufzubauen?

Das ist eine interessante Aufgabe. Aber beispielsweise die Finanzierung und die Dimension sind noch nicht geklärt.

Der Trägerverein der 1990 gegründeten Gedenkstätte fürchtet, verdrängt zu werden. Wie sehen Sie die Rolle der Gründer?

Ich habe viel Verständnis, wenn kleine Interessengruppen die Sorge haben, von großen Institutionen verdrängt zu werden. Eine solche Zusammenarbeit bedarf sorgfältiger Absprachen. Eine Nationale Gedenkstätte ist ein großes Projekt, das hohen finanziellen Einsatz erfordert. Das ist etwas für sehr breite Schultern. Diejenigen, die das Haus seit zwölf Jahren zugänglich machen, müssen beteiligt und sichtbar bleiben. Ich gehe davon aus, dass diese Fragen vor der Gründung einer Stiftung von der Bundesregierung sensibel gehandhabt werden. Engagement, Erfahrungen, Professionalität und die nötige finanzielle Ausstattung müssen zusammenkommen.

Was kann uns der authentische Ort Normannenstraße erzählen?

Authentische Orte haben immer eine eigene Wirkung, die durch nichts zu ersetzen ist. In der Normannenstraße geht es um die Schlüsselrolle des MfS im System DDR. Die Stasi sorgte dafür, dass es funktionierte, dass die Leute eingeschüchtert waren und parierten. Dabei geht es nicht nur um jene, die unmittelbaren Verfolgungen ausgesetzt waren. Die Stasi war auch dafür verantwortlich, dass das freie Wort aus der Öffentlichkeit verbannt war, dass die Menschen die Kontrolle von Worten und Gedanken verinnerlichten. Das MfS war das Herzstück der DDR. Andererseits bietet die Gedenkstätte auch die Chance, den Blickwinkel zu erweitern und das Zusammenwirken von Staat, Parteien, Massenorganisationen und MfS zu thematisieren.

Gibt es einen Zeitplan für die Errichtung der Nationalen Gedenkstätte?

Nicht dass ich wüsste. Was meine Behörde betrifft, geht es zunächst nur um die Frage, ob die Zuordnung einer solchen Stiftung zu meiner Behörde ein denkbares Modell wäre. Das habe ich natürlich bejaht. Aber die Rahmenbedingungen hinsichtlich der Vereinbarungen mit jetzt dort Arbeitenden und der Finanzierung müssen natürlich vorher geklärt werden.

Die Fragen stellte Amory Burchard.

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