Berlin : Werner Schulz überrascht Berlins Grüne

Sabine Beikler

Abgeschlagen landete der Grünen-Direktkandidat Werner Schulz bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Pankow auf Platz vier. Nach 15 Jahren scheidet der 55-Jährige damit aus dem Bundestag. Jetzt liebäugelt der frühere Bürgerrechtler mit der Landespolitik. „Das ist eine der Herausforderungen, über die ich im Moment nachdenke“, sagt Schulz. Was halten die Grünen davon? Die Parteispitzen geben höfliche Stellungnahmen ab – unter den Mitgliedern ist Schulz dagegen nicht sehr beliebt.

Landeschefin Almuth Tharan war über Schulz’ Aussage überrascht. „Er befindet sich noch in einer Denkpause“, sagt sie. Mit ihr, die wie Schulz im Kreisverband Pankow organisiert ist, habe er darüber nicht gesprochen. Aufgrund seiner Erfahrungen wäre er allerdings ein „wertvoller Mitstreiter“ im Landesverband. Auch Fraktionschef Volker Ratzmann würde sich über die Mitarbeit eines „qualifizierten und erfahrenen Politikers“ wie Schulz freuen.

Im Gegensatz zur grünen Noch-Bundestagsabgeordneten Franziska Eichstädt-Bohlig hatten die Berliner Parteifreunde zu Schulz wenig Kontakte. Während sich Eichstädt-Bohlig für Berliner Themen wie Stadtentwicklung und Stadtumbau Ost, Ansiedlung des Bundesnachrichtendienstes oder den Regierungsumzug Bonn-Berlin engagierte und sich für Landesthemen im Bundestag stark machte, hörte man von Schulz wenig. Deshalb reagieren viele Grüne vorsichtig auf sein Interesse an Landespolitik. „Man wird sehen, was er beiträgt“, heißt es.

Als die Grünen im Juni ihre Landesliste zur Bundestagswahl aufstellten, fiel Schulz vor rund 800 Mitgliedern durch. Sie nominierten ihn nicht mehr auf einem chancenreichen Platz: Schulz wollte um Sympathie für sich werben, traf aber daneben, als er sein eigenes Engagement als Bundespolitiker anpries. Eigenlob mögen die Grünen nicht.

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