Berlin : Wertheim-Erben gegen Karstadt

Zukunft des früheren Kaufhaus-Grundstücks am Leipziger Platz weiter offen

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Drei Stunden haben sie am Mittwoch zusammengesessen, eine Einigung jedoch nicht erzielt. Bei einem Erörterungstermin unter Ausschluss der Öffentlichkeit wollten die Richter am Verwaltungsgericht mit den Anwälten der WertheimErben aus den USA und denen der Karstadt-Quelle AG klären, ob es eine Lösung für den Streit um die ehemaligen Grundstücke der Kaufhaus-Familie in Ostdeutschland gibt. Karstadt will eine Entscheidung des Landes Berlin anfechten, dessen Amt zur Regelung offener Vermögensfragen die ehemaligen Wertheim-Grundstücke der Jewish-Claims- Conference (JCC) zusprach. Die JCC würde die Wertheim-Erben am Erlös der Grundstücke beteiligen. „Die Positionen stehen sich unversöhnlich gegenüber“, sagte der Anwalt der Wertheim-Erben, Matthias Druba.

Es geht um Grundstücke im geschätzten Gesamtwert von 250 Millionen Euro. Besonders interessant sind die Parzellen am Leipziger Platz in Berlin, wo die Familie Wertheim ein renommiertes Kaufhaus betrieben hatte. Das Unternehmen wurde im Dritten Reich „arisiert“. Für den ehemaligen Grundbesitz in Ostdeutschland sind die Wertheim-Erben nach Ansicht ihres Anwalts bislang nicht entschädigt worden. Druba: „Hier geht es um die Wiedergutmachung von erlittenem NS-Unrecht.“ Ihren Anspruch auf Rückübertragung des Eigentums machten sie zwar nicht fristgerecht geltend. Die JCC würde sie aber trotzdem zu 80 Prozent am Erlös eines Verkaufs der Grundstücke beteiligen.

Für die Karstadt-Quelle AG geht es um eine nüchterne „Klärung der Ansprüche nach dem Vermögensrecht“, sagte Konzernsprecher Elmar Kratz. Er sieht Karstadt als rechtmäßigen Eigentümer, schließlich habe der Konzern einst Hertie übernommen und Hertie wiederum die Firma Wertheim gekauft. Damit gehörten auch die Grundstücke der Familie Wertheim zu Karstadt. Das Verwaltungsgericht wird vermutlich noch im Sommer ein Urteil fällen. oew

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