Berlin : Wertheim-Erben siegen vor Gericht

Karstadt-Ansprüche auf Areale in Mitte sind endgültig abgelehnt. Auf Berlin kommen Millionenforderungen zu

Lars von Törne

Die Verantwortlichen beim Karstadt- Konzern tragen die Niederlage mit Fassung. „Wir bedauern das Urteil, werden aber wohl keine Verfassungsbeschwerde dagegen einlegen“, sagte Konzernsprecher Jörg Howe am Dienstag. Kurz zuvor hatte das Bundesverwaltungsgericht mitgeteilt, dass es den Anspruch der Karstadt-Quelle AG auf ein prominentes Wertheim-Grundstück am Leipziger Platz abgelehnt hatte. Damit ist ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen den Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie und Karstadt abgeschlossen. „Jetzt ist eine der großen offenen Fragen zur Zukunft des Leipziger Platzes beantwortet“, freut sich Wertheim-Anwalt Matthias Druba.

Die Leipziger Richter bekräftigten einen Spruch des Berliner Verwaltungsgerichts vom März. Damals waren den Wertheim-Erben die Filetgrundstücke zugesprochen worden, wogegen Karstadt Widerspruch eingelegt hatte, weil der Konzern sich als rechtmäßiger Besitzer der Grundstücke sieht (siehe Kasten).

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bezog sich formal allerdings vorerst nur auf eines von einer Hand voll Wertheim-Grundstücke. Es ist aber davon auszugehen, dass die Entscheidung auf die anderen Areale übertragbar ist. Gestern ging es um das Grundstück gegenüber dem Bundesrat, auf dem sich bis vor kurzem der Techno-Club „Tresor“ befand. Das Areal ist bereits vom Bund für rund 17 Millionen Euro an Investoren verkauft worden, die dort Wohn- und Geschäftshäuser errichten. Jetzt erwartet die Jewish Claims Conference (JCC), die sich für die Interessen enteigneter Juden einsetzt, dass der Erlös den Wertheim-Erben zugute kommt, wie JCC-Anwalt Stefan Minden sagt. Die Wertheim-Familie hat ein gutes Dutzend Nachfahren, die sich das Erbe teilen werden, ein kleiner Anteil geht an die Claims Conference.

Weitere Grundstücke, die nun nach Erwartung aller Beteiligten ebenfalls den Wertheim-Erben zugesprochen werden, liegen unter anderem am Leipziger Platz und an der Wilhelmstraße gegenüber dem Bundesfinanzministerium. Unbebaute Areale wollen die Erben verkaufen.

Einen neuen Rechtsstreit erwarten Karstadt und die Wertheim-Anwälte jetzt allerdings um das so genannte Lenné-Dreieck, auf dem heute das Beisheim-Center steht. Dieses Grundstück war vom Land Berlin im Zuge der Entschädigung an Hertie gegangen und dann an den Beisheim-Konzern verkauft worden. Den Erlös von 145 Millionen Euro fordert die Jewish Claims Conference jetzt ebenfalls zurück. Hertie-Nachfolger Karstadt sieht allerdings das Land in der Verantwortung. Die Finanzverwaltung wiederum verweist auf eine Vereinbarung mit Hertie, die künftige Forderungen an das Land ausschließt. Sollte die JCC auf ihrer Forderung an Karstadt beharren, „werden wir uns mit juristischen Auseinandersetzungen durch alle Instanzen wehren“, kündigt Karstadt-Sprecher Howe an.

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