Berlin : Wettbewerb Museumsinsel: Spaziergang in die Insel-Zukunft

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Blütenpracht im Domgarten, steinerne Bänke, die scheinbar aus dem Boden wachsen, ein sparsam gestalteter Park, damit für den Geist viel Raum bleibt. Dahinter ein S-Bahnviadukt mit Glas und Stahl wie in Designerbars: Das sind preisgekrönte Visionen für die Museumsinsel. Sie sollen Realität werden, doch Berlins Flaneure müssen sich gedulden. Bis alles fertig ist, werden noch mindestens zehn Jahre vergehen.

Entwickelt hat den Siegerentwurf das Landschaftsarchitekten-Büro Levin/Monsigny. Es nahm am letzten Wettbewerb auf der Insel teil, bei dem es um die Gestaltung der "Zwischenräume" ging. Zuvor gab es schon eine Reihe anderer Wettbewerbe. Im Rahmen eines Masterplanes unter der Federführung des Londoner Architekten David Chipperfield legte man fest, wie das Neue Museum wieder aufgebaut und andere Museen saniert werden sollen. Oberster Grundsatz: Moderne und klassizistische Elemente sollen harmonisch zusammenkommen. Das galt auch für den Wettkampf der Gartenarchitekten, den die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Bundesamt für Bauwesen ausgeschrieben hatten. Alle Wettbewerbsentwürfe werden zur Zeit im Pergamonmuseum ausgestellt. Wir erläutern nachfolgend den Siegerentwurf.

Der Kolonnadenhof

Inseln sind überschaubar, dem Alltag entrückt, sie geben Geborgenheit, ihre Besucher verbindet ein gemeinsames Anliegen. Außerdem haben die meisten Inseln eine Steilküste und gegenüber ein flaches Sandufer. Man muss kein Robinson sein, um diese Inselweisheiten zu verstehen, aus denen der Siegerentwurf entwickelt wurde.

Beispielsweise der Kolonnadenhof. Hier beginnt für die Architekten die eigentliche Museumsinsel - der Lustgarten ist noch extrovertiertes Festland. Dort geht es ums Sehen und Gesehen werden. Hinter dem alten Museum taucht der Besucher aber dann in eine vom Alltag abgegrenzte geistige Welt von Kunst und Kultur ein.

Der Kolonnadenhof mit seinen Säulengängen soll deshalb eine ruhige, grüne Kulisse für das Neue Museum, die Nationalgalerie und für Skulpturen werden, die ihn schmücken. Als verbindendes Element erhält er einen Boden aus sandfarbenem Stein, einen Belag, mit dem auch alle anderen Freiflächen der Insel gepflastert werden, weil er am entrückten Ort etwas Besonderes ausdrückt.

Aus diesem Gestein wachsen nun scheinbar alle Pflanzen und steinernen Bänke im Hof, alles wird aus ihm entwickelt. Beschnittene Buchsbäume mit Grünnuancen, eine Reminiszenz an den Klassizismus, wurzeln in Steinsockeln oder brechen aus Fugen hervor, dazwischen englischer Rasen. Nirgendwo gibt es aufgesetzte Stadt- oder Gartenmöbel - das gilt für die gesamte Insel.

Der Domgarten

Die Steilküste der Museumsinsel ist das städtisch geprägte Ufer entlang des Kupfergrabens. Auf dieser Seite werden neue Bäume in strenger Ordnung gepflanzt. Gegenüber, zum Monbijou-Park hin, hat das Ufer hingegen Landschaftscharakter. Folglich verteilen die Architekten dort Bäume recht locker und schaffen im Garten hinter dem Dom einen Kontrast zur Klassik. Heute sind dort Trampelpfade unter Kastanien, doch künftig blühen neben den Baumreihen übige Beete, zwischen denen man promenieren kann. Zum Wasser hin wachsen die Gärten in ausgebaggerten Senken. Die Vegetation soll aus der Tiefe kommen.

Die Museumsgassen

Zäune, verschlossene Tore - die hinteren Gassen und Flächen der Insel sind seit langem gesperrt. Unerreichbar ist dadurch auch das S- Bahn-Viadukt, dessen Bögen die Insel wie ein Fremdkörper aus neuerer Zeit durchschneiden. Doch nun soll auch dieses Niemandsland durch Events und Überraschungen attraktiv werden. So wollen die Architekten am Ende der Gassen Aussichtsbalkone mit gläsernen Böden bauen, die keck über die Uferfassaden hinausreichen. "Kleine Neugierde" haben sie diese Orte genannt, zumal es in den Gassen auch Gucklöcher im Boden gibt. Durch ihre Scheiben kann man in die "Archäologische Promenade" hinabblicken.

Und schließlich das S- Bahn-Viadukt. Wie geht man mit einer solchen Verletzung der Insel um? Am besten den Bruch annehmen und bewusst ausgestalten. Deshalb soll dort eine Kulisse für zeitgenössische Installationen, Parties und Konzerte entstehen. Vor allem unter den Bahnbögen: Dort läuft das Publikum über Bodenplatten aus Glas und blickt in unterirdische Räume hinab, die von Künstlern wechselnd ausgestaltet werden.

Das Lichtkonzept

Die Gärtner machen auf der Insel das Licht an, sie liefern auch das Beleuchtungskonzept. Am urbanen Ufer werden historische Laternenmasten aufgestellt, ansonsten will man auch beim Licht auf jede Möblierung verzichten. Also keine Laternen und Scheinwerfer, sondern nur indirekte Beleuchtung. Sie inszeniert die Brücken in weichem Licht und schafft Romantik im Domgarten - als wäre jede Nacht Vollmond.

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