Berlin : Wettbewerber fordern neue S-Bahn-Züge Keolis: Bahn soll rasch Fahrzeuge bestellen

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Berlin - Konkurrenten der Bahn begrüßen den Vorschlag des Konzerns, so rasch wie möglich neue S-Bahn-Züge für Berlin zu bestellen. Dies sei ein „sinnvoller Weg, zu neuen Fahrzeugen zu kommen und einen sinnvollen Wettbewerb zu ermöglichen“, sagte Hans Leister, Geschäftsführer des Bahn-Betreibers Keolis, am Freitag in Berlin. Wenn die neuen Züge 2017 geliefert werden sollten, müsse man aber so schnell wie möglich die Bestellung abgeben, verlangte er.

Leister reagierte damit auf einen Vorschlag aus dem Bundesverkehrsministerium, wonach die S-Bahn neue Züge bestellen könne, sofern der Senat dies wolle. Der Kauf soll unabhängig davon stattfinden, ob die S-Bahn das Berliner Netz auch nach Vertragsende 2017 betreibt. Das wird vermutlich in einem Ausschreibungswettbewerb entschieden – es sei denn, der Senat vergibt die Strecken direkt an die landeseigene BVG.

Keolis, Nummer vier auf dem Regionalverkehrs-Markt, knüpft die Zustimmung zum Bahn-Vorschlag an Bedingungen. So müssten bei der Konzeption der neuen Fahrzeuge die Wettbewerber, die sich für den Betrieb der S-Bahn interessieren, mitreden dürfen. Auch müsse feststehen, unter welchen Bedingungen die Bahn die Züge weiterreiche, sollte sie nicht den Zuschlag für das Netz bekommen.

Für die Privatbahnen wäre der S-Bahn-Kauf durch den Staatskonzern vorteilhaft – zum einen haben sie keine Erfahrung mit der speziellen Technik, die für die Berliner S-Bahn nötig ist. Zum anderen müssten sie ein geringeres Risiko schultern – sollten sie ab 2017 die S-Bahn-Strecken betreiben, wäre schon klar, wie zuverlässig die Züge zu welchen Kosten fahren. Das von der Bahn vorgeschlagene Verfahren werde mithin zu einem lebhafteren Wettbewerb führen, lobte Keolis-Manager Leister. Ein Sprecher von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer wollte den Vorstoß der Bahn nicht bewerten. Bisher gebe es nur die Ankündigung, nicht aber eine feste Zusage, die Züge nach 2017 weiterzuverkaufen. Erst am Jahresende wolle man über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Entwicklung der neuen Fahrzeuge kostet indes – Leister sieht den Senat „in der Pflicht, sich zu engagieren“. Die Politik solle dies mit den Mitteln, die sie angesichts der S-Bahn-Krise nicht auszahle, finanzieren. „Die Erwartung, die Bahn muss alles einfach so machen, ist abwegig.“ Der Senat hat das Geld, seit Januar mehr als 24 Millionen Euro, nach Auskunft des Sprechers von Frau Junge-Reyer bislang nicht verplant. Carsten Brönstrup

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