"Wetten dass"-Unfallopfer : Samuel Koch: „Ich sehe mich nicht als Vorbild“

"Ich bin vor ein fahrendes Auto gelaufen", das war nicht wirklich vorbildhaft, sagt Samuel Koch dem Tagesspiegel. Aber er kämpft jetzt für die Rechte von Behinderten - und erzählt davon im "Ehrensache"-Porträt.

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GLAUBT AN DAS GUTE. Samuel Koch ist christlich aufgewachsen. Der 24-Jährige engagiert sich als Jugendbotschafter für das Christliche Jugenddorfwerk.
GLAUBT AN DAS GUTE. Samuel Koch ist christlich aufgewachsen. Der 24-Jährige engagiert sich als Jugendbotschafter für das...Foto: Mike Wolff

WAS ICH MACHE

Ich soll angeblich ein Vorbild sein, aber ich sehe mich gar nicht so. Ich bin vor ein fahrendes Auto gelaufen und habe dadurch so gut wie alle meine Körperfunktionen verloren. Das finde ich nicht sehr vorbildlich. Der CJD erhofft sich aber, dass ich als Jugendbotschafter junge Leute ermutige, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Ich kann nur für meine Situation sprechen – darüber, wie es ist, aus dem Leben gerissen zu werden und vom Hals abwärts gelähmt zu sein. Im Krankenhaus habe ich einen Iraner kennengelernt, der als Gastarbeiter in der Schweiz vom Kirschbaum gefallen ist. Er hat mir gesagt, er würde zu Hause im Iran keine Woche überleben. Doch trotz der im Gegensatz dazu privilegierten Situation in Deutschland gibt es noch viele Hindernisse. Neulich wollte ich von Düsseldorf nach Zürich fliegen. Das herkömmliche Flugpersonal darf mir am Flughafen nicht helfen, aber das dafür ausgebildete Personal ist nicht gekommen. Wir haben mindestens zehn Minuten auf sie gewartet und das Flugzeug am Ende um drei Minuten verpasst. Ich musste dann acht Stunden Zug fahren und habe dabei einen sehr wichtigen Termin verpasst. Letzte Woche im Supermarkt gab es nur Drehkreuze, wo ich mit meinem Rollstuhl nicht durchgepasst habe. Ich musste mich zum Einkaufswagen reduzieren, um unter der Einkaufswagenschleuse durchzukommen. Schon mehrfach wurde mir der Einlass ins Kino verwehrt, da ich aufgrund weniger Stufen ein Sicherheitsrisiko darstelle und nicht ausreichend schnell zu evakuieren sei. Trotz allem habe ich immer viel Unterstützung von lieben Menschen und meiner Familie. Im Krankenhaus habe ich aber auch Leute erlebt, die den ganzen Tag alleine waren. Wenn es möglich sein sollte, dass ich als sogenannter Botschafter jungen Menschen Hoffnung geben kann, werde ich gerne noch weiteren CJD-Veranstaltungen beiwohnen.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Wahrscheinlich wäre ich zumindest kurzfristig günstiger zu finanzieren, wenn ich Invalidenrente bekäme. Ich versuche aber eine Art ambulante Reha durchzuführen und mein Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover fortzusetzen. Ich wünsche mir, dass man auch in einem Körper, der nicht funktionsfähig ist, eine perspektivenreiche Zukunft hat – gemäß der Präambel der CJD-Satzung: „Jeder Mensch ist ein einmaliges Geschöpf Gottes und darf nicht verloren gehen."

Infos und Kontakt übers Internet:

Christliches Jugenddorfwerk, CJD – Die Chancengeber, Am Karlsbad 16, 10785 Berlin, Tel. 790 90 10, im Internet: www.cjd-berlin.de. Das Christliche Jugenddorfwerk ist ein Verein, der sich in Projekten um Menschen mit Behinderungen kümmert und sich für die Integration von Migranten sowie für sozial benachteiligte Jugendliche starkmacht. Das CJD verspricht sich, dass Samuel Koch als neuer Jugendbotschafter vielen Menschen mit schwerem Schicksal dank seiner positiven Lebenseinstellung Mut macht. Andere Botschafter sind etwa die blinde Sängerin Joana Zimmer sowie die Chefredakteurin der „Brigitte“, Brigitte Huber.

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