Wetter : Der Juli verregnet das Geschäft

Frei- und Sommerbäder klagen über geringe Einnahmen. Und auch die Spreeflotte zählt weniger Fahrgäste als sonst. Die Unternehmer sind trotzdem optimistisch. Ein schlechter Juli macht noch kein schlechtes Geschäftsjahr.

Sebastian Scholz

Menschen huschen mit Regenschirmen durch die Straßen, der Himmel kleidet sich grau, das Sommerlichste ist vielleicht noch die schwüle Luft an einigen Tagen. Nur zur Erinnerung: Es ist Juli. Da vermiest das schlechte Wetter doch sicher nicht nur die Sommerlaune, sondern auch die Besucherzahlen an vielen Orten. Oder nicht?

Gerade Besucher des Berliner Zoos dürften enttäuscht sein, denn das neugeborene Giraffenbaby dürfte bei nasskaltem Wetter wohl nur selten den Weg ins Freigehege suchen. „Insgesamt gibt es keine großen Einbrüche bei den Besucherzahlen“, sagt Florian Giese von der Pressestelle des Berliner Zoos. Schlechte Tage seien jedes Jahr mit eingeplant.

Bewölkter Himmel und regelmäßige Regenwarnungen animierten jedoch eher weniger zum Schwimmengehen. Die Frei- und Sommerbäder machten daher zwischen Mai und Juli ein Minus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagt Matthias Oloew, Pressesprecher der Berliner Bäder-Betriebe. „Wenn der August gut wird, und da sind wir mal optimistisch, kann das die Bilanz wieder ausgleichen.“ Die viel diskutierten verlängerten Öffnungszeiten der Hallenbäder hätten sich angesichts des schlechten Wetters bezahlt gemacht, sagt Matthias Oloew. Mehrere Hallen freuten sich im Mai über ein sattes Besucherplus von rund 35 Prozent.

Für den Ernstfall arbeiten die Bäder-Betriebe schon an einem Ausweichplan, erklärt Oloew: „Wenn das Wetter wirklich so schlecht bleiben sollte, überlegen wir derzeit, die Hallenbäder wieder früher zu öffnen.“ Zumindest einen positiven Nebeneffekt haben die niedrigen Temperaturen: „Das Wasser wird frischer und die Algenbildung in den Seen geht stark zurück“, so Oloew.

Das trübe Wetter im Juli trieb auch die Spreeflotte vorläufig vor Anker. Von einer schlechten Saison möchte Lutz Freise, Geschäftsführer der Reederei Riedel, allerdings noch nicht sprechen: „Bis Juni waren wir sehr verwöhnt, aber der Juli ist schon sehr trostlos.“ Die gebuchten Gruppen würden zwar nach wie vor kommen, denn die meisten Spreeschiffe haben auch einen Innenbereich. Aber Touristen, die sich bei gutem Wetter spontan für eine Tour durch Berlins Kanäle entscheiden, blieben derzeit aus. „Insgesamt ist die Bilanz aber noch besser als im Vorjahr“, sagt Lutz Freise. Wie die Berliner Bäder-Betriebe hofft auch er nun auf den August. „Und wir hatten ja auch schon oft einen goldenen Herbst“, sagt er.

Auch Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands, gibt Entwarnung: „Klar, in den Biergärten ist der Umsatz momentan natürlich gleich null“, sagt Lengfelder. Das Ganze sei aber nur halb so dramatisch, denn dafür seien die Umsätze während der schönen Tage im Mai und April dieses Jahres wesentlich besser gewesen als im Vorjahr. „Schlechte Tage gibt es jeden Sommer“, sagt Thomas Lengfelder.

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