Berlin : Wetter: Es kann ja nur noch besser werden

Christian van Lessen

Während in vielen Ausflugslokalen und Straßencafés spätestens nach dem heftigen Wolkenbruch vom Sonnabend jede Hoffnung auf ein gutes Sommer-Geschäft aufgegeben worden ist, weil die Gäste ohnehin seit Wochen ausbleiben, sah Thomas Globig vom Wetterdienst Meteofax am Sonntag wieder einen Sonnenstreif am Himmel. Auch wenn der "Durchbruch zur Besserung nicht in Sicht ist, stehe ich dazu, dass Mitte August etwas passieren sollte". Damit wollte Berlins bekanntester Meteorologe nichts anderes sagen als: Der Sommer kommt - vermutlich - doch wieder zurück!

Globig kündigte einen " kleinen Hauch von Sommer-Intermezzo" an, gab aber zu bedenken, dass ein richtig schöner Tag in der kommenden Woche nicht dabei sei. Heute soll die Wolkendecke erst am Nachmittag dünner werden, aber es bleibt vermutlich trocken bei 20 Grad. Der Dienstag bringt nach Auskunft des Meteorologen mit subtropischer Luft wieder den Trend zum Wärmeren, so dass 24 und 25 Grad möglich sind, am Mittwoch gar 26 und 27 Grad. Aber alles bei durchwachsenem Himmel. Am Donnerstag wird es wieder leicht kühler, am Freitag sind 22 Grad zu erwarten, und regnen kann es in der Woche immer wieder.

Der heftige Wolkenbruch vom Sonnabend mit Überschwemmungen in weiten Stadtteilen und dem folgenden Ausnahmezustand für die Feuerwehr hatte erst einmal alle Skeptiker bestätigt, die an einen Sommer nicht mehr glauben wollen. Selbst die Meteorologen fielen aus allen Wolken - diese Wassermasssen waren nicht erwartet worden. "Ich bin zwei, drei Stunden mit offenem Mund herumgerannt", berichtete Globig.

In Marienfelde fielen 51 Liter auf den Quadratmeter, so viel, wie sonst fast den ganzen Monat. Am Flughafen Tegel waren es noch knapp 39 Liter, in Eiskeller nur 2, in Wannsee blieb es mit 1,8 Liter vergleichsweise trocken. Eine lange Wolke hatte von Nord nach Süd eine breite Regenschneise gezogen. "So was kann man nicht voraussagen", hieß es. Oft machten auch die Computerberechnungen, was sie wollten.

Globig, der auch in der SFB-Abendschau regelmäßig das Wetter vorhersagt, musste in letzter Zeit viel einstecken. "Berliner Meteorologe verärgert frierende Deutsche", konnte er vor ein paar Tagen in einer westdeutschen Zeitung lesen. Dabei hatte Globig nur wissen lassen, dass mit 33 Tagen über 25 Grad die durchschnittliche Zahl an Sommertagen in diesem Jahr schon erreicht worden ist, der Sommer also seine Pflicht getan hat. Als eine Berliner Boulevard-Zeitung seine Zunft gar als "Lügner" bezeichnete, platzte ihm der Kragen. "Das ging unter die Gürtellinie." Mit der Zeitung spricht er nicht mehr.

Geirrt hatten sich die Meteofax-Wetterleute am vergangenen Donnerstag, als sie für Freitag Regen - der tags darauf viel intensiver kommen sollte - und 21 Grad angekündigt hatten, der Tag dann aber freundliche 22 bis 24 Grad brachte und nur vereinzelt Tropfen. Und auch das Wochenende zuvor war von den Meteorologen schon lange vorher hochsommerlich angekündigt worden. Der Deutsche Wetterdienst erwartete gar 30 Grad, Meteofax zog dann vier Tage zuvor die Notbremse und stellte lediglich 26 bis 27 Grad in Aussicht. Heraus aber kam letztlich ein ungemütliches, graues und verregnetes Wochenende bei gerade mal 20 Grad. Wer sich auf Ausflüge oder Gartenpartys gefreut hatte, schimpfte auf die Meteorologen.

Die Abweichungen werden von Globig damit begründet, dass nicht nur die Daten und Berechnungen eines Wettercomputers verwendet, sondern mehrere auch internationale Wetterdienste abgerufen werden. In den Computern kann das Wetter bis zu zehn Tagen vorausberechnet werden, im Trend, aber nicht detailgetreu. Bei unterschiedlichen Ergebnissen liegt es an an der persönlichen Bewertung des Meteorologen. Die veröffentlichten Prognosen, berichtete Globig, beruhen zu 60 Prozent auf den Computer-Vorhersagen und zu je 20 Prozent auf "Verstand und Bauch" des Meteorologen. Hundertprozentig sichere Vorhersagen könne es gar nicht geben, aber "die Trefferquote ist in Ordnung".

Er selbst fühle sich krank, wenn seine Prognosen nicht stimmten. Frühmorgens schaue er zuerst aus dem Fenster, um die Vorhersage zu prüfen. "Wenn sie nicht stimmt, ist im Prinzip der Tag im Eimer."

Die Gastronomen mit Ausflugslokalen oder Cafés sollten sich nach Ansicht des Meteorologen aber nicht zu sehr beklagen. Wer zu Ostern das Geschäft nicht mitgenommen habe, sei selber Schuld. Mit 46 Prozent des sonst üblichen Sonnenscheins zähle der Monat zwar zu den sonnenärmsten Julis des Jahrhunderts, bei Mitteltemperaturen von nur 18 bis 19 Grad. Andererseits hätten von Dezember 99 bis Juni 2000 alle Temperaturen über dem Durchschnitt gelegen, und der Juli sei die "erste negative Abwechslung".

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