Wetter in Berlin : Glatter Einstand für den Winter

Der Winterstart brachte Berlin kaum Schnee, aber dafür eisige Straßen und Brücken. Wer noch keine Winterreifen aufgezogen hat, sollte sich darum kümmern.

Sandra Dassler
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Wenig Winter. Die paar Flocken vom Freitag haften an Pflänzchen.

Doch, es wurde schon Schlitten gefahren gestern in Berlin. Und das nicht nur auf der künstlichen Winterwelt-Bahn am Potsdamer Platz. Wer früh aufstand, konnte nicht nur seine erfrorenen Palmen entsorgen, sondern beispielsweise am Insulaner, dem ehemaligen Trümmerberg zwischen Schöneberg und Steglitz, rotwangigen Kindern bei ihren begeisterten Rodelversuchen zuschauen. Für drei, vier Abfahrten reichte der Schnee.

Früh aufgestanden waren am Sonnabend auch 2000 Angestellte der Berliner Stadtreinigungsbetriebe, die sich seit fünf Uhr morgens darum kümmerten, dass die etwa 18 000 Fußgängerüberwege und Kreuzungen gestreut waren. Sie wurden dabei von sogenannten Winterdiensthilfskräften unterstützt – Arbeitslosen, die schon im Herbst dafür registriert worden waren und nun zum ersten Einsatz gebeten wurden.

Überall konnten sie aber nicht sein, und auch wenn der Wintereinbruch recht problemlos verlief, fühlten sich die Berliner doch an einigen Stellen aufs Glatteis geführt. Schlimmstes Beispiel: die Behelfsbrücke zum S-Bahnhof Westend am Spandauer Damm. Die ist breit und aus Metall und verwandelt sich bei Eis und Schnee in eine gefährliche Rutschbahn. Am Freitagabend und am Sonnabendmorgen wurde das vielen Passanten zum Verhängnis, vor allem älteren Leuten, die an Stöcken gingen und sich nicht am Geländer festhalten konnten. Das Schild „Radfahrer absteigen“ half da auch nicht wirklich weiter.

Die Polizei warnt bei dieser Witterung ohnehin vor allen Brücken. Am Freitagabend hatte Glatteis innerhalb weniger Minuten zu mehreren Unfällen auf Brücken in Moabit, Wedding und Tiergarten geführt. Auf der Nordhafenbrücke schleuderte ein Auto gegen eine Laterne. Ein Mann und seine vierjährige Tochter wurden dabei leicht verletzt. Ein 21-jähriger Autofahrer wollte ihnen zu Hilfe eilen und stieg aus. In diesem Moment rutschte ein weiteres Auto gegen das Fahrzeug des Helfers und verletzte den Mann. Die nächsten drei Autos hielten, ein viertes schlitterte in sie hinein, wobei ein 22-Jähriger verletzt und seine 21-jährige hochschwangere Freundin vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht wurde.

In Brandenburg wurden insgesamt 61 witterungsbedingte Unfälle registriert. Wer noch keine Winterreifen aufgezogen hat, sollte sich darum kümmern. Es könnte im Schadensfall Ärger mit der Versicherung geben. Oder aber man steigt um: BVG und S-Bahn meldeten bisher keine witterungsbedingten Störungen. So gesehen kann aus dem frühen Wintereinbruch gern endlich wieder mal eine weiße Weihnacht werden. Sandra Dassler

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