Berlin : Wetter: Nie war es so feucht wie im September

Jörn Hasselmann

Der September hat durchgehalten bis zum bitteren Schluss - mit Regen und Kälte. Die Meteorologen sprachen gestern "vom nassesten September seit über 100 Jahren". Oder mit anderen Worten: "Seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Dahlem" fiel nie so viel Regen in einem September. Gut möglich also, dass es seit Gründung der Stadt Berlin vor 764 Jahren nie so feucht war. Denn es schüttete und kübelte die dreifache Menge des Normalen vom Himmel, genau: 310 Prozent - oder 141 Liter.

Was gestern noch runterkam, ist da gar nicht mit drin, die ein bis zwei Liter machten die Pfütze aber auch nicht mehr größer. Denn auch der letzte Tag des Monats, der 30., verabschiedete sich mit Regen, nach einigen Tropfen am Morgen versank der Tag am späten Nachmittag endgültig im Einheitsgrau. Immerhin hatte Petrus mit den Läufern ein Erbarmen. Donald Bäcker vom Wetterdienst Meteofax rechnete gestern vor, dass der September ziemlich genau ein Viertel des Jahressolls (590 Liter in Berlin) schaffte. Normale September dürfen nur 45 Liter Regen hinterlassen, sagt zumindest die über 100-jährige Dahlemer Statistik.

Positives gibt es gar nicht zu berichten. Wegen des Regens fehlte naturgemäß die Sonne, sie schien nur 75,5 Stunden (laut Taschenrechner hat der Monat summa summarum 720 Stunden). Und wieder die Statistiker: Die Sonne schien nur 50 Prozent dessen, was der neunte Monat sonst an Freuden bereit hält. An sieben Tagen ließ sie sich gar nicht sehen, an fünf weiteren nur für Minuten. Die von Meteorologen so genannten Sommertage - also Tage über 25 Grad - fielen ganz aus, normal sind zwei. Das was der gemeine Berliner am ehesten gewillt war, als Sommertag durchgehen zu lassen, war der allererste Tag des Monats. Am 1. kletterte die Quecksilbersäule immerhin auf 22 Grad - danach ging es jedoch rapide bergab, im Sturzfall aus dem schönsten heißen Hochsommer in graukalte Herbststimmung. Die Temperatur verfehlte ihren langjährigen Durchschnitt im September um knapp zwei Grad, das klingt wenig, ist für Wetterkundige jedoch eine ganze Menge.

Doch halt, es gibt etwas Positives: Der Oktober beginnt zu warm. Ab und zu können in den kommenden Tagen mal 20 Grad erreicht werden, lockte Donald Bäcker gestern. Doch sicher ist das nicht. Denn Berlin liegt genau unter einer "Luftmassengrenze": Laue 25 Grad im Süden, und herbe Kälte über der Nordsee. Da ist es reine Glückssache, ob Berlin verwöhnt oder weiter gequält wird.

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