Wetter : Sommer 2007 in Berlin: Eine Naturkatastrophe

Der Sommer 2007 in Berlin war im langjährigen Durchschnitt ungewöhnlich nass und etwas zu warm. Das Agrarministerium hat die diesjährigen Wetterkapriolen sogar als Naturkatastrophe eingestuft.

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Gleich regnet es wieder: Der Sommer 2007 war zu nass und zu warm. -Foto: dpa

Berlin/PotsdamEine Ursache der ungewöhnlich hohen Niederschlagsmengen war das schwülwarme Wetter mit unwetterartigen Schauern und Gewittern. Insgesamt fielen nach Angaben des Metereologen Friedrich Foest vom privaten Wetterdienst MC Wetter im Juni, Juli und August in der Hauptstadt knapp 360 Liter Regen pro Quadratmeter. Das mache den Sommer 2007 zum niederschlagsreichsten seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1908.

Dass es in den Sommermonaten dennoch ein Grad wärmer als im Durchschnitt war, erklärte der Meteorologe mit den wenigen ungewöhnlich heißen Tagen, vor allem im Juni und Juli, die teilweise Temperaturen von 35 bis 38 Grad Celsius brachten. Ungefähr 600 Stunden lang schien in Berlin in diesem Sommer die Sonne. Mehr als das Doppelte, also über 1200 Stunden, hatte der außergewöhnlich warme Sommer 2006 zu bieten.

Die Hoffnung, dass auf diesen regenreichen Sommer nun ein besonders schöner Herbst folgt, wird laut der Prognose des Wetterdienstes unerfüllt bleiben. Zwar wird es noch einen Altweibersommer mit Temperaturen von über 20 Grad geben, aber die Spitzenwerte aus dem Jahr 2006 mit über 30 Grad im September und mehr als 20 Grad im Oktober werden voraussichtlich nicht erreicht. Die Niederschlagsmenge werde sich dabei in einem für den Herbst üblichen Maß bewegen.

Katastrophaler Sommer für die Landwirtschaft

Das Agrarministerium hat die diesjährigen Wetterereignisse in Berlin und Brandenburg als Naturkatastrophe eingestuft. Die Landwirte hätten aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse in diesem Jahr Verluste von mindestens 40 bis 50 Millionen Euro zu verkraften, sagte Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) in Potsdam-Fahrland. Das Land habe deshalb eine Richtlinie für Hilfen zur Existenzsicherung aufgelegt, die noch von der EU genehmigt werden müsse. Mit den zur Verfügung stehenden rund fünf Millionen Euro könnten nicht die Schäden ausgeglichen werden. Es gehe lediglich um die Liquiditätssicherung für besonders betroffene Betriebe.

Nach Angaben des Präsidenten des Landesbauernverbandes, Udo Folgart, liegen die Erträge bei der Getreideernte zehn Prozent unter dem Niveau der Jahre 2000 bis 2005. Beim Roggen seien Ausfälle von 27 Prozent zu verzeichnen. Beim Grünfutter seien in einigen Gebieten Totalausfälle zu verzeichnen, so dass die Landwirte bereits wegen Futtermangels ihren Tierbestand reduziert hätten. Auch beim Obst gebe es erhebliche Einbußen.

Zu schaffen machten den Landwirten den Angaben zufolge späte Fröste im Frühjahr, ein extrem trockener April und sintflutartige Regenfälle im Sommer. Dabei fielen innerhalb von drei Monaten so viel Niederschläge wie sonst in einem ganze Jahr. (mit ddp)

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