Wetter : Tropische Tage

Der Deutsche Wetterdienst hat für Mittwoch eine Hitzewarnung herausgegeben. Viele Freibäder verlängern angesichts der guten Prognosen ihre Saison.

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Biergartenwetter sieht anders aus. Auch Berlin-Führungen dürften am Dienstag ins Wasser gefallen sein.Alle Bilder anzeigen
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23.08.2011 17:14Biergartenwetter sieht anders aus. Auch Berlin-Führungen dürften am Dienstag ins Wasser gefallen sein.

Es gehört wohl zu den Merkwürdigkeiten dieses exzentrischen Sommers, dass der Deutsche Wetterdienst knapp eine Woche vor dem meteorologischen Herbstbeginn die erste Hitzewarnung des Jahres ausgesprochen hat. Sie gilt zunächst für den heutigen Mittwoch, an dem im Raum Berlin eine gefühlte Temperatur von über 33 Grad erreicht werden soll. „Eine derartige Warnung sprechen wir aus, wenn es über mehrere Tage sehr warm ist und die gefühlte Temperatur die Schwelle von 32 Grad übersteigt“, sagt Cord-Jürgen Garve. Der Medizinmeteorologe des Deutschen Wetterdienstes geht davon aus, dass es bis Freitag heiß bleiben wird – um die 27 Grad erwartet er, gefühlt dürften es fünf bis sechs mehr werden.

Darf man sich also tatsächlich auf Sonne und ungetrübtes Badevergnügen freuen? Nicht ganz. Denn mit den hohen Temperaturen geht in den kommenden Tagen eine hohe Luftfeuchtigkeit einher, die insbesondere für Ältere und Kranke zur Belastung werden kann. „Die momentan vorhandene Schwüle macht unserem Organismus mehr zu schaffen als beispielsweise trockene Hitze mit leichtem Wind“, sagt Garve und empfiehlt, sportliche Aktivitäten einzuschränken, viel zu trinken und nur leichte Kost zu sich zu nehmen. Wer es sich erlauben kann, soll laut des Meteorologen einfach „relaxen und den Tag genießen“.

Möglichkeiten dazu bieten die Berliner Seen und Bäder. Zwar wird an vier Badestellen an der Unterhavel das Planschen im Moment wegen einer E-Coli-Belastung nicht empfohlen, dennoch gibt es genügend Alternativen. Während die Schwimmhallen der Stadt allmählich in die Herbst- und Wintersaison starten, gehen angesichts der Wetterprognosen viele Freibäder in die Verlängerung. Neben den ohnehin bis Ende September geöffneten Bädern in Wannsee und Kreuzberg bleiben auch das Sommerbad Olympiastadion, das Seebad Friedrichshagen und die Freibäder Plötzensee und Orankesee mindestens bis 15. September am Netz. Außerdem sollen die Bäder Lübars, Jungfernheide, Grünau und Weißensee so lange geöffnet bleiben, wie Wetter und Wassertemperaturen es zulassen. Am heftigsten trotzt der Launenhaftigkeit des Berliner Sommers jedoch das Freibad Wendenschloss, das sogar bis Ende Oktober um Badegäste bittet. Damit war vor einiger Zeit nicht unbedingt zu rechnen.

Das ist doch kein Sommer!
Wüsste man nicht, dass es Mitte August ist, könnte man meinen, wir hätten Herbst. Nicht nur Berlin-Touristen bekommen in diesen Tagen nasse Füße. Durch den vielen Regen der vergangenen Wochen steigt der Grundwasserpegel: ein potentieller Standortnachteil für Berlins Betriebe.Weitere Bilder anzeigen
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30.07.2011 11:27Wüsste man nicht, dass es Mitte August ist, könnte man meinen, wir hätten Herbst. Nicht nur Berlin-Touristen bekommen in diesen...

Zickzack-Sommer, Jojo-Sommer, Chaos-Sommer. Mit allerlei bizarren Vokabeln wurde der Sommer 2011 ja schon versehen. Weil es warm war und windig, heiß und schwül, kalt und stürmisch; und das immer schön im Wechsel. Blieb es im Juni verhältnismäßig mild, so verzeichnete der Juli in Berlin die zweitmeisten Regenschauer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im August war es bislang durchwachsen bis warm – und nun eben bewölkt und schwül.

Anlass zur Wetter-Hysterie besteht deshalb noch lange nicht. „Bis zu einem gewissen Punkt wirken Wetterreize auf uns sogar stimulierend“, sagt Peter Walschburger, Biopsychologe an der Freien Universität Berlin. Wer gesund ist und sich ab und zu in der Natur bewegt, werde mit dem Wechselspiel überhaupt keine Probleme bekommen. Schwächere Menschen könnten mit Kreislaufproblemen, Schlaflosig- oder einer generellen Antriebslosigkeit zu kämpfen haben, wenn es besonders heiß oder schwül zugeht.

Über die für Mittwoch prognostizierte Hitze freuen könnten sich hingegen die Berliner Schüler, winkt ihnen, kaum dass das Schuljahr begonnen hat, doch schon das erste Mal hitzefrei. Eine Entscheidung darüber obliegt allerdings den jeweiligen Schulleitern. Ulrich Weghoff von der Johann-Gottfried-Herder-Oberschule in Lichtenberg zum Beispiel wird sich heute Morgen entscheiden: „Wir haben ein schlecht isoliertes Gebäude. Und wenn es nicht zu verantworten ist, gibt es in den letzten Stunden hitzefrei.“ In der Max-von-Laue-Oberschule in Steglitz ist mehr Geduld gefragt. Hier gibt es erst frei, wenn die Temperaturen drei Tage in Folge 25 Grad überschreiten. Und das könnte schwierig werden: Bereits für Freitagnachmittag ist eine Kaltfront mit schweren Gewittern angesagt.

Es würde irgendwie zu diesem Sommer passen.

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