Berlin : Wetterfühligkeit (Interview)

Was ist Wetterfühligkeit?

Ingrid Krause (50) ist Lungenärztin und Betriebsärztin bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Berlin.

Was ist Wetterfühligkeit?

Genau genommen weiß das eigentlich niemand. Man weiß nur, es gibt Menschen, die bei Wetterumschwüngen empfindlicher sind als andere. Meist sind es Menschen, die krank waren, sich beispielsweise das Bein gebrochen haben. An den Operationsnarben fängt es dann an zu jucken. Generell sind Menschen, die körperlich stark belastet sind, anfälliger, wie beispielsweise auch Schwangere. Die Symptome sind oft Unwohlsein, Erschöpfung, aber auch Schmerzen.

Wir bilden uns das nicht ein?

Nein, das absolut nicht.

Für die Psyche müsste doch aber der heiße Frühling, der jetzt womöglich zu Ende geht, eher erfrischend gewirkt haben?

Auch das hängt vom Typ ab. Der Mensch ist nun mal an seine Jahreszeiten gewöhnt, wenn die nicht so kommen, fühlt er, da stimmt doch etwas nicht. Menschen, die beispielsweise in Gebiete auswandern, wo es diese Unterschiede nicht gibt, beklagen sich oft. Bestimmte Erwartungen des Körpers werden nicht erfüllt, das kann zu Verstimmungen und Unwohlsein führen.

Eigentlich ist der bisherige Frühling doch ein optimaler Sommer: Der Tag schön warm und die Nacht erholsam kühl.

Richtig. Dieses Wetter ist für körperliche Erholung ideal. Nicht nur wegen der angenehmen Temperaturen am Tag und in der Nacht, es blüht auch alles, die Düfte stärken das positive Lebensgefühl. So kann man sich optimal erholen.

Warum sehnen sich Menschen oft nach Wärme, nach drei Tagen Hitze stöhnen sie aber bereits wieder?

Bei Kindern kann man beobachten, dass sie sich bei Hitze nicht bewegen wollen, weil sie schwitzen. Sie finden das unangenehm. Das ist bei Erwachsenen auch so. Wenn es ständig warm ist und man keine Abkühlung mehr hat, ist das nach einer Weile unangenehm. Deshalb stöhnen die Leute.

Was raten Sie wetterfühligen Menschen?

Sie sollen sich in ihr Schicksal fügen. Im Ernst, man muss es mit stoischer Ruhe ertragen. Generell aber sollte man bei dem bevorstehenden Wetterumschwung vorsichtig sein. Wer bei niedrigeren Temperaturen beispielsweise keine Strümpfe trägt, weil es doch die Tage zuvor so heiß war, fängt sich schnell eine Blasenentzündung ein. Das Interview führte Armin Lehmann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar