Berlin : Wettkampf um die Riesenräder

Investoren am Zoo wollen auch bauen, wenn Anschutz den Zuschlag erhält Stadtentwicklungsverwaltung will am Ende aber nur ein Projekt genehmigen

Matthias Oloew

Der Konkurrenzkampf um den Bau eines Riesenrades in Berlin nimmt an Schärfe zu. Die Investorengruppe, die ihr Projekt am Zoologischen Garten plant, erklärte am Freitag, in jedem Fall bauen zu wollen: „Wir glauben, dass unser Riesenrad das wesentlich bessere ist“, sagte der Unternehmenschef der Great-Wheel-Corporation, Florian Bollen. Das gelte auch für den Fall, dass die Anschutz Entertainment Group, die ein ähnliches Rad am Ostbahnhof errichten will, an ihren Plänen festhalte.

Anschutz bekräftigte postwendend seine Pläne. „Unser Rad wird bereits fertiggestellt sein, wenn die anderen noch bauen“, sagte Projektentwickler Kevin Murphy dem Tagesspiegel. „Sollten die Zoo-Investoren ihre Pläne weiterverfolgen, liegt das Risiko bei den kleinen Anlegern des Fonds.“ Das wiederum bestreitet die Gegenseite und verspricht stattdessen eine satte Dividende: „Zehn Prozent sind realistisch“, sagte Thomas Bone-Winkel, Geschäftsführer der DBM- Fonds-Invest, die das Geld für den Bau zusammenbekommen will.

Die Stadtentwicklungsverwaltung von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verhält sich nach wie vor neutral: „Die Senatorin wird sich erst entscheiden, wenn es notwendig ist“, sagte ihre Sprecherin Manuela Damianakis. Da helfe auch der Wunsch der Parteifreundin Monika Thiemen nicht weiter. Die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, die das Zoo-Riesenrad vehement unterstützt, würde sich über ein Machtwort freuen, die das Gezerre beende: „Es wäre wünschenswert, wenn die Senatorin sich bald entscheiden würde.“ Der Bezirk sieht in dem Riesenrad einen wichtigen Motor für die City-West.

Die Senatsstadtentwicklungsverwaltung erneuerte am Freitag ihren Standpunkt, dass es am Ende nur ein Riesenrad in der Stadt geben werde. Dass es zu einem Wettlauf kommen wird, wer zuerst sein Rad fertig stellt, glaubt die Verwaltung indes nicht. Die beiden Konkurrenten sind aber fest entschlossen, sich auf diesen Wettlauf einzulassen. Beide glauben, die Nase vorn zu haben.

Wann mit einem Bau am Zoo begonnen werden könnte, ist noch unklar. Die Investoren hoffen, im April 2007 eine Baugenehmigung zu erhalten. Zuvor muss sich aber die Senatsfinanzverwaltung mit dem Zoologischen Garten einigen. Der betreibt auf dem Gelände derzeit seinen Wirtschaftshof, der umziehen und abgerissen werden müsste.

Die Kosten für einen neuen Wirtschaftshof bezifferte Jürgen Lange, der Vorstandsvorsitzende der Zoo-AG, auf zwölf bis 17 Millionen Euro. Damit wäre ein Großteil des wahrscheinlichen Verkaufserlöses von 22 Millionen Euro bereits aufgebraucht. Zur Höhe des Kaufpreises für das 12 000 Quadratmeter große Grundstück machen Käufer und Verkäufer nach wie vor keine Angaben. Der Vertrag war am vergangenen Sonnabend beurkundet worden.

Die Investoren kalkulieren mit bis zu zwei Millionen Gästen bei ihrem Riesenrad – gut eine halbe Million mehr als die Konkurrenz am Ostbahnhof. „Von unserem Rad aus wird man die gleichen Sehenswürdigkeiten sehen wie am Ostbahnhof“, sagte Projektleiter Michael Waiser, „allerdings sind sie bei der Konkurrenz viel weiter entfernt und verdecken sich teilweise gegenseitig.“

Die Bauherren wollen den Bau durch einen eigens aufgelegten Fonds finanzieren, der ab November vertrieben werden soll. Der Fonds soll das Geld für vier Riesenrädern stellen, neben Berlin in den chinesischen Metropolen Peking und Tsingtao sowie in Dubai. Zweifel an der Finanzierung hat die Senatsfinanzverwaltung nicht: „Wir glauben, dass es grundsätzlich seriös und plausibel ist“, sagte ihr Sprecher Matthias Kolbeck.

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