Berlin : Widerstand gegen Wohnheim für psychisch kranke Straftäter

Bürgerinitiativen und Parteien wollen das Projekt in Lankwitz stoppen. Kritik an mangelnder Information

Ingo Bach

Gegen das in Lankwitz geplante Wohnprojekt für psychisch kranke Straftäter formiert sich Widerstand. Verunsicherte Nachbarn wollen mit einer Bürgerinitiative das Projekt an der Leonorenstraße 45 zu Fall bringen. Auch die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf will es verhindern. CDU und FDP haben das Thema auf die Tagesordnung der heute stattfindenden BVV-Sitzung gesetzt.

Hauptkritikpunkt ist die mangelhafte Information der Anwohner. Erst aus dem Tagesspiegel habe man von dem Projekt des Krankenhauses des Maßregelvollzuges (KMV) erfahren, sagt der Lankwitzer CDU-Ortsverbandschef Oliver Friederici. Auch die seit November neu besetzte Bezirksamtsspitze gibt sich überrascht von dem Vorhaben. Sie bitte um Geduld, bis sie sich in das Thema eingearbeitet habe, sagt die zuständige Gesundheitsstadträtin Barbara Loth (SPD). Eines aber sei bereits jetzt Konsens im Bezirksamt: Ab sofort werde man die Öffentlichkeit besser informieren.

Die Anwohner sehen besonders ihre Kinder bedroht durch das Wohnheim, in dem ab Spätsommer 2007 45 psychisch kranke Straftäter betreut werden sollen, die teilweise auch die Möglichkeit zum Ausgang haben werden. In der Nähe seien ein Schwimmbad, eine Eishalle und mehrere Schulen. Und da es keine Auflagen gebe, würden zukünftig vielleicht sogar auch Sexualstraftäter oder Mörder in dem Heim untergebracht.

Das könne er „hundertprozentig ausschließen“, sagt Rolf Bayerl, ärztlicher Leiter des KMV, dem Tagesspiegel. „Solche Patienten wären für ein so großes Wohnprojekt völlig ungeeignet.“ Ungeachtet des Widerstandes halte man am Standort fest – er sei mit der Senatsgesundheitsverwaltung und dem damaligen Bezirksamt abgesprochen. Es sei wichtig, zum einen für die Entlastung der überbelegten geschlossenen Heime des Maßregelvollzugs. Zum anderen verbessere die Betreuung in diesen Wohnheimen die Eingliederungschancen der Patienten gegenüber der geschlossenen Unterbringung deutlich. Das Gelände sei gekauft, alle Baugenehmigungen lägen vor, der Umbau laufe bereits. Auch schon vorher, als das Haus noch zum Auguste-Viktoria-Krankenhaus gehörte, seien dort psychisch Kranke betreut worden, sagt Bayerl. „Für die Anwohner ändert sich also eigentlich nichts.“

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