Berlin : Widerstand im NS-Staat: Ein erbitterter Gegner der Nazis

Michael Braun

Erster Kardinal von Berlin und ein erbitterter Gegner der Nationalsozialisten - der vor fünfzig Jahren gestorbene Konrad von Preysing war eine Symbolfigur für die Katholiken in der Stadt. Gestern wurde eine Ausstellung in der St.-Hedwigs-Kathedrale eröffnet. In der Vorhalle sind sechs Informationstafeln ausgestellt, die über das Leben und Wirken Preysings informieren. "Dieser Ort schien uns ideal, da alle Gottesdienstbesucher und auch Berlin-Touristen auf ihrem Weg ins Kircheninnere an den Schautafeln vorbeikommen", sagt Andreas Herzig, Pressesprecher des Erzbistums Berlin.

Vor genau 50 Jahren, am 21. Dezember 1950 verstarb Kardinal Preysing, sein Grab befindet sich seit 1968 in der Unterkirche der St.-Hedwigs-Kathedrale. Bekannt geworden ist Preysing vor allem durch sein Widerstehen gegen den Nationalsozialismus, das auch in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gewürdigt wird.

Preysing wurde 1880 geboren, studiert zunächst Jura und erst anschließend Theologie. 1912 wird er zum Priester geweiht, ein Jahr darauf promoviert er und ist dann für den Münchener Erzbischof tätig. Seit 1917 wirkt er dort in der Seelsorge, bevor er 1932 zunächst zum Bischof von Eichstätt und dann 1935 zum Bischof von Berlin berufen wird.

Schon 1933 wendet sich Preysing gegen den Vertrauensvorschuss katholischer Bischöfe, Geistlicher und Gläubigen gegenüber dem NS-Regime. Er gehört der Kommission an, die das päpstliche Sendschreiben "Mit brennender Sorge" von 1937 vorbereitet, das die nationalsozialistische Kirchenpolitik anprangert. Immer wieder tritt er in offenen Predigten und Hirtenworten für die Rechte der Kirche und die Würde aller Menschen ein. 1938 ist er Mitbegründer des "Hilfswerks beim Bischöflichen Ordinariat Berlin", das zahlreiche Katholiken jüdischer Herkunft, aber auch ungetaufte Juden betreut. Schriftlich bittet er Papst Pius XII., öffentlich für die verfolgten Juden einzutreten, seine Appelle bleiben erfolglos.

In den Schreiben an seine Geistlichen richtet sich Preysing auch gegen die Morde an Kranken. Während der gesamten Nazizeit ist der Preysing immer bemüht, die übrigen Bischöfe zu einer deutlicheren Ablehnung des Nationalsozialismus zu bewegen. In den Vierziger Jahren trifft sich Preysing mit den Verschwörern des 20. Juli und unterhält Kontakte zum Kreisauer Kreis. Obwohl er selbst täglich mit Verhör und Verhaftung rechnete, wagte es die NS-Führung bis Kriegsende nicht, gegen ihn vorzugehen. 1946 wird Konrad Graf von Preysing zum ersten Kardinal von Berlin ernannt.

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