Berlin : Wie angestochen

Welche Ämter dabei sind, wenn’s Hornissen an den Kragen geht

Annette Kögel

Was für ein kläglicher Anblick: Weißer Schaum quillt aus dem Loch im Weidenstamm, überall liegen tote Hornissen. Das Problem mit deren Nest am Steglitzer Teltowkanal (wir berichteten) hat sich erledigt. Und das, obwohl die Wespenart eigentlich unter Naturschutz steht und die Nester nicht angerührt werden dürfen.

Doch es gibt Ausnahmen. Und bevor es dazu kommt, brummt es mächtig in Berlins Behörden – durch alle Instanzen. Als erstes rückte nach den Berichten über das Nest sowie gestochene Ausflügler und Polizisten der institutionalisierte Artenschutz an. In Person einer Expertin vom Freilandlabor Britz. Sie leitete den Vorgang an die Stadtentwicklungsverwaltung weiter. Hornissen stehen nämlich wie alle einheimischen Vögel, Amphibien, diverse Schmetterlings- und Libellenarten sowie Solitärbienen und Hummeln unter Naturschutz. Darüber wacht etwa Verwaltungsfachmann Klemens Steiof. Und dort Am Köllnischen Park in Mitte entschied man: Das Nest muss bleiben. So wird dort meistens entschieden. Denn in der Regel verhalten sich die Tiere ruhig. Sie surren zwischen ihren Speichel-Pappmaché-Nestern und Nahrungsplätzen hin und her, ohne den Menschen zu belästigen. Nur, wenn die Hornissen sich an ungünstigen Orten niederlassen, macht man ihnen den Garaus. Wie neulich, als die Tiere nahe der Entbindungsstation vom Krankenhaus Friedrichshain nisteten. Die durften offiziell ausgeräuchert werden. Manchmal setzt man sie auch um, meist in den Tegeler Forst. Aber wie gesagt, die Steglitzer Sippe sollte bleiben.

Doch dann hat sich das Wasser- und Schifffahrtsamt aus Neukölln eingeschaltet, dem das Gelände am Teltowkanal gehört. Dessen Mitarbeiter hatten festgestellt, dass der Weidenbaum, in dem das Nest hing, so trocken sei, dass bereits Äste abbrechen und auf die umliegenden Kleingartengrundstücke fallen. Auch Jogger und Ausflügler seien durch Holz von oben gefährdet, sagt Hans-Joachim Buntzel, der das Wasser- und Schifffahrtsamt Außenbezirk Neukölln leitet.

Er gab den Vorfall zur Kenntnis ans bezirkliche Naturflächenamt zurück, das ihn wieder an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiterreichte. Das Anliegen diesmal: Der Baum muss dringend beschnitten werden. Aber das geht doch nicht, wenn da Hornissen drin wohnen.

Schließlich landete die Angelegenheit auf dem Tisch von Rita-Marina Karge, die bei der obersten Naturschutzbehörde für naturschutzrechtliche Ordnungsaufgaben zuständig ist. Sie überlegte hin und her und sprach dann: Nur wegen einer Gefahr für die Passanten hätten wir kein Okay zum Hornissentod gegeben. Aber die Verkehrssicherungspflicht ist berührt, da muss man eine Ausnahme machen. Der Insektenvernichter konnte kommen.

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