Berlin : Wie Berliner Firmen ihre Pleite überlebten

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Der Papier, Büro- und Schreibwarenanbieter Herlitz rutschte infolge von fehl geschlagenen Expansionsplänen in Osteuropa und gescheiterten Immobilien-Spekulationen im Jahr 2002 in die Insolvenz. Die gute Nachricht: Der abgespeckte Konzern wirtschaftete weiter und schrieb 2003 einen Gewinn von einer Million Euro – nach drei Millionen Euro im Vorjahr. Erleichterung auch für einige Gläubiger: Die Firma reduzierte ihre Bankverbindlichkeiten von 89 Millionen auf 63 Millionen Euro. Möglich wurde die Sanierung nur durch einen Verzicht auf 90 Prozent der Schulden und einem radikalen Personalabbau.

Ein Opfer der Pleitewelle in der Medienbranche war Jazz-Radio. Hier betragen die Schulden weniger als eine Million Euro. Wie viel davon zurückgezahlt werden wird, steht noch nicht fest. Die Zahl der festen Mitarbeiter sank von acht auf fünf. Der Sender wird weitergeführt, weil Jazz-Radio künftig Studios zusammen mit Radio Paradiso und dem Marriott-Hotel nutzt und so wirtschaftlicher arbeitet.

Eine spektakuläre Insolvenz meldete der Anlagenbauer Babcock-Borsig. Die AG hatte Verbindlichkeiten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro angehäuft. Der Verwalter stellte den Gläubigern eine Rückzahlungs-„Quote“ von nur fünf Prozent in Aussicht. Und von den 21 000 Arbeitsplätzen am Tag des Insolvenzantrages wurden 9000 kurzfristig gestrichen. Die positive Nachricht: Es kam zur Gründung einer Auffanggesellschaft mit 2600 Beschäftigten, ihr Umsatz liegt bei 660 Millionen Euro. Und kurze Zeit später stieg der japanische Konzern Hitachi bei einer AG-Tochter ein. Auch am Standort Berlin wurden knapp 300 Arbeitsplätze gerettet: bei der Borsig GmbH, die 2003 rund 60 Millionen Euro umsetzte.

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