Berlin : Wie das Leben in Großsiedlungen aus DDR-Zeit attraktiv bleiben soll

Steffi Bey

Auch in Berlin könnte es den Neubauten aus DDR-Zeit bald an die Platte gehen: Bei der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG) wird beispielsweise darüber nachgedacht, einzelne Etagen abzutragen. Dies sagte WBG-Geschäftsführer Hartmut Meuter. Ein konkretes Projekt gibt es noch nicht. Doch er geht davon aus, dass sein Unternehmen in den nächsten Jahren Ideen für das Abtragen von Geschossen entwickelt. So könnten beispielsweise Gebäude umgestaltet werden, die bisher den Blick auf das Wuhletal verstellen.

Für den WBG-Chef ist diese Art des Rückbaus derzeit allerdings zweitrangig. Denn sein Unternehmen wendet noch in diesem Jahr eine andere Methode an. Im Frühsommer soll damit begonnen werden, die Südspitze Marzahns - 18-Geschosser an der Marchwitzastraße und eine elfgeschossige Gebäudeschlange an der Märkischen Allee - umzugestalten. Hier werden unter anderem Grundrisse so verändert, dass Licht in die engen und schmalen Flure fällt. Wohnungen entfallen dadurch. Zudem will man Außenwände abtragen, um einzelne Quartiere mit bodenhohen Fenstern auszustatten. Meuter betont, dass ein Rückbau, also das Entfernen von Bausubstanz, immer der Verbesserung der Wohnqualität dienen muss. Die WBG hofft, dass sich die Wohnungen nach der Sanierung besser vermarkten lassen. Schließlich stehen zurzeit 20 Prozent der insgesamt 750 Wohnungen leer.

Auch die Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf will die "Platte" teilweise abtragen und sieht darin eine Chance, die Siedlung attraktiver zu gestalten. Die Ideen reichen vom Entfernen ganzer Wohnungen, um von der ersten bis zur elften Etage Terrassen zu erhalten. In Einzelfällen sollen laut WoGeHe-Geschäftsführer Rudolf Kujath auch 160 Quadratmeter große "Schicki-Micki-Quartiere" entstehen. Dabei könnte aus drei nebeneinander liegenden Wohnungen eine einzige übrigbleiben, die dann über eine riesige Terrasse verfügt. Kujath ist davon überzeugt, dass durchaus Nachfrage besteht. "Wir haben in Hellersdorf eine völlig andere Sozialstruktur als die meisten Plattenbausiedlungen im Westteil der Stadt", sagt der Geschäftsführer. "Die Leute wohnen gern hier, bestehen aber auch auf hoher Qualität."

Nicht ganz so experimentierfreudig in Sachen Rückbau handeln die Wohnungsbaugesellschaften Hohenschönhausen und Lichtenberg. "Ein etagenweises Abtragen kommt für uns überhaupt nicht in Frage", sagt Norbert Beyer von der HOWOGE. Dagegen werden Grundrissänderungen im Verlaufe der umfangreichen Sanierungsarbeiten an den Gebäuden seit Jahren praktiziert.

Einig sind sich die vier Gesellschaften, denen insgesamt rund 90000 Plattenbauten gehören, dass für Berlin das Abtragen kompletter Blöcke nicht in Frage kommt. "Wir verfügen hier über andere Strukturen als beispielsweise in Schwedt, wo derzeit ganze Häuser fallen", sagt WBG-Geschäftsführer Meuter. "Unser Ziel ist es, Plattenbauten aufzuwerten." Die Senatsbauverwaltung hat sich in der Vergangenheit auch mit dem Thema Rückbau befasst. In einer Studie über Marzahn Nord wird unter anderem das Abtragen einzelner Etagen von elfgeschossigen Häusern südlich der Havemannstraße empfohlen. "Das sind Vorschläge, die natürlich erst noch mit den Eigentümern diskutiert werden müssen", sagt Monika Schümer-Strucksberg von der Senatsbauverwaltung. Die WBG-Marzahn will Mitte des Monats auf einem Symposium mit Experten über die Zukunft der Großsiedlung diskutieren.

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