Wie der Leopoldplatz zu seinem Namen kam : Viel Platz für Preußens General

Am Freitagabend wird der umgestaltete Leopoldplatz eingeweiht. Doch nur wenige wissen, nach wem das Areal ursprünglich benannt wurde. Unser Autor wirft einen Blick in die Geschichte und findet einen strammen preußischen General, dem Fontane einst ein bissiges Gedicht widmete.

Eberhard Elfert
Schinkel und Gemüse: Wochenmarkt auf dem Leopoldplatz vor der Alten Nazarethkirche.
Schinkel und Gemüse: Wochenmarkt auf dem Leopoldplatz vor der Alten Nazarethkirche.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Leo“ - so nennen die meisten Weddinger ihren Leopoldplatz seit Jahren und Jahrzehnten. Die meisten Bewohner kennen das langgezogene, unterteilte Areal zwischen Müllerstraße und Maxstraße mit den beiden Nazarethkirchen, den Grünflächen und dem Marktplatz vor dem Schinkelbau, das nach der Umgestaltung am Freitagabend teilweise neu eröffnet wird. Doch nur wenige wissen, an wen mit dem Namen des Platzes erinnert wird: An Leopold den I., Fürst von Anhalt-Dessau. Eine Ironie der Geschichte, dass gerade im einstigen Arbeiterbezirk, dem „Roten Wedding“, ein zentraler Platz und etliche Straßenzüge noch immer nach einem Begründer des preußischen Militarismus und seinen Feldzügen benannt sind.

Ein Blick in das Jahr 1888: Damals wollte der Berliner Magistrat den 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm I. gebührend feiern und den einstigen „Soldatenkönig“ ehren. Zu dessen Zeiten gehörte es zum guten Ton, um des Ruhmes Willen den einen oder anderen Krieg vom Zaun zu brechen. Das Leben einfacher Soldaten war dagegen weniger wichtig. Um den Geburtstag dieses kriegsliebenden Herrschers zu würdigen, gaben die Stadtväter den neu angelegten Straßen und Plätzen im Wedding Namen nach Personen und Ereignissen der Zeit des Soldatenkönigs: Die Straßenbenennung nach Turin, Amsterdam, Malplaquet, Höchstädt oder Oudenaarde erinnerte an Schlachtfelder des spanischen Erbfolgekriegs (ab 1701). Er dauerte 13 Jahre, ca. 1,2 Millionen Menschen des damals eher dünn besiedelten Europas ließen dabei ihr Leben. Es ging um das Erbe des damaligen spanischen Königshauses, das kinderlos blieb und keinen rechtmäßigen Thronfolger hatte.

Leopold I. prägte Militärmusik und Gleichschritt

Leopold der I., Fürst von Anhalt-Dessau und Namenspatron des heutigen Platzes, trug damals nicht nur zum siegreichen Ausgang der Schlachten bei Turin, Malplaquet und Höchstädt bei - er gilt auch als eifriger Modernisierer der preußischen Armee. So verbesserte er die Effizienz der Handfeuerwaffen durch das Austauschen des hölzernen durch einen eisernen Ladestock sowie durch das Einführen des vernichtenden Schnellfeuers. Die von ihm geforderte strenge Disziplin sowie der unnachgiebige Drill der Soldaten machten das Heer zum schlagkräftigsten Europas und Preußen zur bedeutenden Militärmacht. Durchschlagende Erfolge ergaben sich auch aus dem von ihm eingeführten Gleichschritt. Aus diesem Synchronmarsch entwickelte sich der Stechschritt, der bis heute bei militärischen Aufzügen üblich ist. Darüber hinaus wirkte er auch auf die Militärmusik: So soll der „Dessauer Marsch“ auf den ideenreichen Fürsten zurückzuführen sein.

Theodor Fontane widmete dem „Alten Dessauer“ übrigens ein Jahrhundert nach dessen Tod ein nicht eben schmeichelhaftes Gedicht. In der zweiten Strophe wird der stramme Militär wie folgt charakterisiert:

All' Wissenschaft und Dichtung

Sein Lebtag er vermied,

Und sprach er je von „Richtung“,

Meint' er in Reih und Glied;

Statt Opern aller Arten

Hatt' er nur einen Marsch,

Und selbst mit Schriftgelehrten

Verfuhr er etwas barsch.

Nachdem der Dichter die Geistlosigkeit des strammen Befehlshabers in weiteren Beispielen und mit typischer Ironie bloßgestellt hat, beendet Fontane sein Werk mit einem bissigen Verweis auf den Soldatenzopf aus Leopolds Zeit und dessen Träger

Verschnittnes Haar im Schopfe

Macht nicht allein den Mann -

Ich halt' es mit dem Zopfe,

Wenn solche Männer dran.

--- Feierliche Eröffnung des neuen Leopoldplatzes am Freitag, den 25. Oktober, ab 17.30 Uhr. Gleichzeitig öffnet die Ausstellung „Kooperativ handeln – eine Zwischenbilanz“ der Aktiven Zentren in Berlin (bis  8.11.2013 jeweils Mo.-Fr. von 16-20 Uhr in der Alten Nazarethkirche).

--- Eberhard Elfert ist als Kulturmanager im Wedding tätig und ist im Vorstand des "Kulturnetzwerk Wedding", das vom Bezirksamt Mitte mit der Durchführung der Einweihungsfeier beauftragt wurde.

Dieser Artikel erscheint im Wedding Blog, dem hyperlokalen Online-Magazin des Tagesspiegel.

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