Berlin : Wie die Karnickel

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad freut sich klammheimlich über Bären in Shanghai

Mit dem Namen ihrer Stadt sind die Bewohner Shanghais wirklich geschlagen, hat sich doch das Wort „schanghaien“ für den unschönen Seemannsbrauch eingebürgert, lückenhafte Schiffsbesatzungen mittels Rum und anderer geistiger Getränke aufzufüllen. Eine Umdeutung des Begriffs ins Positive tut dringend Not, und so ist der zentrale Berliner Beitrag zu dem in Kürze startenden „Shanghai Spring Art Salon“ nur zu begrüßen: 24 Buddy Bären, bis auf einen, den Kinder der Deutschen Schule in Shanghai bemalt haben, allesamt von chinesischen Künstlern gestaltet. Nun gehören Bären seit geraumer Zeit zu den wichtigsten Verbindungslinien zwischen Berlin und dem Reich der Mitte. Genau genommen sind es drei: Tjen Tjen, Yan Yan und Bao Bao, die drei chinesischen PandaPräsente, von denen ersteres leider nur noch in ausgestopftem Zustand existiert. Bislang verlief der Bären-Export nur in einer Richtung, endlich hat Berlin die Möglichkeit zum Gegengeschenk erhalten, und es scheint denkbar, dass bald auch das Schanghaien neue, nunmehr positive Bedeutung erhält: als besonders feinsinnige Form der Revanche, gegen die der Beschenkte rein gar nichts ausrichten kann. Drei unfruchtbare Pandas haben wir bekommen, achtmal mehr Buddys geben wir zurück, Angehörige eines Spezies also, die sich wie die Karnickel vermehrt.

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