Berlin : Wie ein Bohlen-Hit

-

David Ensikat erklärt, warum

die Grüne Woche so angesagt ist.

Die Messehallen unterm Funkturm erweisen sich auch in diesem Jahr wieder als Publikumsmagnet. Lesen Sie diesen Satz eigentlich so gerne, wie wir ihn Jahr für Jahr in die Zeitung schreiben? Besonders elegant ist er natürlich nicht – Messehallen unterm Funkturm – Publikumsmagnet – Kleinkrämer könnten meinen, hierbei handele es sich um abgedroschene Wortbilder, um müffelnde Floskeln, bei deren Anblick die Leute „Ih bäh“ rufen, „diese Wortbilder kennen wir, wir wollen sie nie wieder lesen, sie öden uns an!“

Aber um Eleganz und Überraschung geht es ja gar nicht. Es geht darum, einer ollen Kamelle wie der Grünen Woche den frischen Duft moderner Eventkultur zu verleihen, sie zum SmashHit der Berlinkultur zu machen. Grüne Woche – das heißt Essen im Stehen, Ochsen im Neonlicht, Gamsbarthüte mit dicken roten Nasen drunter. Daran wird sich nie was ändern – und das ist das Tolle.

Dieter-Bohlen-Lieder sind auch nichts Schönes, aber sie spielen sie immer wieder im Radio. Man gewöhnt sich dran. Und wenn jemand sagt, die Dieter-Bohlen-Lieder seien tolle Hits, dann glaubt man’s ihm, weil man sie ja gar nicht mehr so schlimm findet wie am Anfang, und weil sie sie immer noch rauf und runter spielen im Radio.

So ähnlich funktioniert das auch mit der Grünen Woche. Es müssen aber alle mitmachen. Die Grünwöchner dürfen nie was ändern, schon gar nicht ihr hippes Retro-Logo, und wir freuen uns immer wieder, wenn wir schreiben dürfen: Die Messehallen unterm Funkturm erweisen sich auch in diesem Jahr wieder als Publikumsmagnet .

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben