Berlin : Wie ein unerlaubtes Werbeschild zum Zankapfel wurde

jmw

Die Fronten schienen klar: Hier das aufstrebende Jungunternehmen, dort die unbewegliche Verwaltung. Aber immer der Reihe nach: Markus Heckhausen ist Chef des Designstudios "Makedesign" in der Choriner Straße. In einer ehemaligen Remise haben er und seine Partner ihr Büro eingerichtet. "Früher war das eine Motorradwerkstatt", erzählt Heckhausen. Mit allem, was dazu gehörte: einem ölverschmierten Boden etwa oder herumliegenden Abfällen.

Doch Heckhausen und seine Mitdesigner haben aufgeräumt. "Bei den Hausbewohnern ist das gut angekommen." Allerdings ragte draußen neben der Toreinfahrt noch das alte Leuchtschild der Motorradfirma in die Straße hinein - seit der letzten Maidemo arg mitgenommen. "Den Vermieter fragte immer wieder, ob wir nicht ein neues Schild aufhängen wollen." Im vergangenen Sommer hat Heckhausen das Glas mit dem Auspuff-Aufdruck abgeschraubt und durch ein neues, mit dem Ampelmännchen-Logo seiner Firma verziertes, ersetzen. Etwas voreilig allerdings.

"Beleuchtete Werbeausstecker sind denkmalschutzrechtlich nicht zulässig", sagt Manfred Fuckner, womit der Vertreter der Denkmalschutzbehörde ins Spiel kommt. Deshalb schickte er Heckmann die Aufforderung, das Schild zu entfernen. "Da habe ich gar keine andere Wahl." Das sieht Heckhausen anders: "Am alten Schild hat er sich doch auch nie gestört. Warum also am neuen?" Für Fuckner kein Argument: "Wenn Herr Heckhausen aus einem illegal aufgehängten Schild den Rückschluss zieht, er könne das deshalb genauso machen, dann ist das seine eigene Schuld."

Ein halbes Jahr streiten sich die beiden jetzt schon, und der Ton ist mit der Zeit rauer geworden. Die gegenseitige Vorwürfe reichen inzwischen von der Feststellung, Fuckners Amt sei "eines der hässlichsten Häuser, das ich je betreten habe" (Heckhausen), bis zu der Einschätzung, Heckhausens Ampelmännchenschild sehe nun doch mehr "nach billiger Kneipe" (Fuckner) aus. Beide haben sie Trümpfe ausgespielt: Der Bürokrat drohte, das Schild notfalls mit Polizeigewalt und auf Heckmanns Kosten demontieren zu lassen. Der Designer schrieb einen Brandbrief an die Medien, sie mögen ihn und seine Partner "unterstützen in unserer Ohmacht gegenüber einer richtig klassischen Behörde, der ihre Macht anscheinend mehr Wert ist als sinnvolle Lösungen". Dass "der Heckhausen jetzt mit dieser Sache quer durch Berlin rennt", findet Manfred Fuckner "langsam affig. Dafür ist meine Zeit einfach zu schade." Im übrigen habe sein Amt die Designer im Vornherein darauf hingewiesen, dass Werbeschilder genehmigungspflichtig seien.

Und was sagen die Fachleute? Alexandra Fock von der Industrie- und Handelskammer kümmert sich um Rechtsfragen aller Art. Mit den Denkmalschutzbehörden gebe es häufiger zu Problemen, berichtet sie. Rechtlich sei die Entscheidung in Sachen Ampelmännchen allerdings einwandfrei. Sie rät deshalb: "Am geschicktesten ist es, wenn sich beide Seiten auf einen Kompromiss einigen." Nun müsste sich nur noch ein Vermittler zwischen den Fronten finden.

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