• Wie eine Belgierin in Berlin die Anschläge in Brüssel erlebte: "In Belgien ist die Berichterstattung viel zurückhaltender"

Wie eine Belgierin in Berlin die Anschläge in Brüssel erlebte : "In Belgien ist die Berichterstattung viel zurückhaltender"

Kaia Verrelst lebt in Berlin, ist aber in Belgien geboren. Die Anschläge in Brüssel haben sie schockiert, aber nicht überrascht.

Christian Vooren
Das Brandenburger Tor in Berlin wird in den Farben der belgischen Trikolore angestrahlt. Nach den Terroranschlägen in der belgischen Haupstadt Brüssel wird an vielen Orten der Opfer gedacht.
Das Brandenburger Tor in Berlin wird in den Farben der belgischen Trikolore angestrahlt. Nach den Terroranschlägen in der...Foto: Kay Nietfeld/dpa

Katia Verrelst ist in Belgien geboren, lebt aber seit sieben Jahren in Berlin. Seit sechs Jahren ist sie, wie etwa 70 andere, Mitglied im Freundeskreis „Belgier in Berlin“, der seit 17 Jahren existiert. Dort sitzt sie im Vorstand. Einmal im Monat treffen sie sich zu gemeinsamen Aktivitäten, zuletzt zum Miesmuschel-Essen.


Wie haben Sie den Tag der Anschläge erlebt?
Erst habe ich davon gar nicht viel mitbekommen, ich hatte nur von einer Explosion am Flughafen gehört. Dann war auf einmal von einem Attentat die Rede. Danach war ich dann den ganzen Tag im Internet und habe die Nachrichten verfolgt. Das war ein bisschen seltsam, denn einerseits war ich natürlich schockiert, andererseits haben wir alle das ja schon befürchtet. Wann und wo, das waren ja nur noch die zwei Fragen. Abends habe ich erst belgische Nachrichten geschaut, dann deutsche. Das ist schon sehr unterschiedlich. In Deutschland wird viel und sehr offen über den Islam gesprochen, in Belgien ist die Berichterstattung viel zurückhaltender. Dort heißt es eher, wir müssen stark sein und solidarisch. Da geht es noch gar nicht so sehr um Kritik an anderen. Aber meinetwegen könnte man jetzt mal ein bisschen weniger auf Eiern laufen.

Haben Sie Angehörige in Brüssel?
Nein, in Brüssel selbst nicht, auch wenn ich einige Zeit dort gearbeitet habe. Trotzdem haben wir vom Freundeskreis gestern zahlreiche Mails bekommen von Menschen, die uns unterstützen wollten, die geschrieben haben, sie hoffen, dass niemandem etwas passiert ist. Und ich bekam jede Menge Anrufe. Natürlich habe ich auch mit meinen Eltern und meinen Schwiegereltern gesprochen. Aber die leben im Norden Belgiens, eher ländlich. Über Ostern fahren mein Mann und ich die Familie besuchen. Wir wurden gefragt, ob wir trotzdem kommen werden. Natürlich fahren wir hin, aber ich bin froh, dass wir das Auto nehmen und nicht fliegen.

Wieso gerade Brüssel?
Brüssel ist eigentlich keine Stadt, das ist eine Ansammlung von 19 kleinen Dörfern. Und die Kommunikation zwischen denen ist schlecht, jeder Bezirk hat seine eigene Polizei. Da weiß eine Hand nicht, was die andere tut. Die Politik hat einfach viel zu lange die falschen Prioritäten gesetzt. Seit 20 Jahren gibt es manche Bezirke, in die ich nicht reingehen würde, weil es da nicht sicher ist. Aber die Anschläge sind ja jetzt nicht in diesen Vierteln passiert, sondern dort, wo es sonst eigentlich sicher ist. Ich würde am Wochenende jedenfalls nicht durch die Stadt spazieren. Aber letztlich kann ein Anschlag genauso in Berlin oder in jeder anderen Stadt passieren.

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