Berlin : Wie es ihnen gefällt

Ein Schlitz in der Fassade und ein Hauch von Stadtrandsiedlung: Der Entwurf für die US-Botschaft lässt Raum für Diskussionen

Christian van Lessen

Was er von der neuen amerikanischen Botschaft denkt? Senatssprecher Günter Kolodziej musste gestern lange überlegen, bis er sich entschied, über den aktuellen Entwurf öffentlich gar nichts zu sagen. Gesprächiger wirkte Senatsbaudirektor Hans Stimmann: „Der Entwurf ist in allen Details mit uns abgestimmt. Wir haben unseren ganzen Einfluss geltend gemacht.“ Vor allem ging es darum, Höhen zu reduzieren. Die künftige Botschaft, Baubeginn soll im Oktober sein, wird nach dem Adlon das vom Grundriss größte Haus am Pariser Platz und vor allem an der Ebertstraße in breiter Front eine Architektur zeigen, die für Berlin außergewöhnlich ist. „Sie passt zu den Amerikanern.“ Auch wenn der geplante Bau sicher hier und da kritisch betrachtet werde, entspreche er doch fast vollständig den Gestaltungsrichtlinien des Senats für den Pariser Platz, versicherte Stimmann. Allerdings mit einer Ausnahme: „Die Fassade am Platz hat einen Schlitz.“ Diese tiefe Einbuchtung für den Eingang habe der Senat auch schon beim ersten Entwurf 1996 als Ausnahme gelten lassen. Denn eigentlich sollen alle Fassaden der Neubauten am Pariser Platz „geschlossen“ wirken und keine Öffnung breiter als eine der Tordurchfahrten des Brandenburger Tores sein. Nun ergebe sich zwischen Botschaftsschlitz und dem Öffnungen im Tor eine „gewisse Konkurrenz“. Über das Projekt, etwa die Höhe des Dachaufbaus, habe es „extrem viele aufwändige Gespräche“ mit dem kalifornischen Architekturbüro Moore, Ruble, Yudell gegeben. In „sehr freundlicher Stimmung“ sei mit dem jetzt vorgestellten Entwurf eine einvernehmliche Lösung gefunden worden.

Die Stilrichtung des Bauwerks gilt als Form amerikanischer Postmoderne, in der auch viele US-Regierungsgebäude errichtet worden sind. Die Amerikaner, sagte Stimmann, hätten ein ungebrochenes Verhältnis zum repräsentativen Staatsgebäude. Ein solches individuelle Haus passe als Ausdruck einer Nation gut an den Platz. Hier gebe es ohnehin verschiedene Stile, etwa mit der französischen Botschaft oder der noch unfertigen gläsernen Akademie der Künste.

Botschafter Daniel R. Coats hatte den Entwurf am Mittwoch vorgestellt und die Fertigstellung 2007 angekündigt. Der Bau wird die letzte Lücke am Pariser Platz schließen. Als der erste Entwurf für die Botschaft vor acht Jahren präsentiert wurde, hieß der Botschafter Charles E. Redman. Das kalifornische Architektenbüro hatte damals einen US-internen Wettbewerb gewonnen. Bei dessen Vorgaben habe der Senat mitgewirkt, betonte Stimmann. Wegen der Anschläge auf US-Botschaften hatten die Amerikaner für den Neubau daraufhin strengere Sicherheitsvorkehrungen mit größeren Absperrungen gefordert. In den folgenden Jahren gab es diverse Verhandlungen für einen überarbeiteten Entwurf. Der neue fällt äußerlich vor allem durch höhere Aufbauten an der Behrenstraße auf. In seiner Formensprache weist die Botschaft nicht zufällig kleine Ähnlichkeiten mit Wohnhäusern am Tegeler Hafen oder in Karow-Nord auf. Sie wurden vom selben Architektenbüro errichtet.

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