Berlin : Wie gemalt

Ab Sonntag ist Max Liebermanns Haus am Wannsee für das Publikum offen

Sarah Burmester

„Hier wird etwas wieder in Gang gesetzt, was leichtsinnigerweise über Jahre vergessen war”, sagt Peter Lorenz. Der 77-Jährige ist aktives Mitglied der Max-Liebermann-Gesellschaft (MLG). Der Erfolg der ehrenamtlichen Arbeit der Mitglieder ist ab heute zu sehen: Die einstige Sommerresidenz des Malers Max Liebermann am Großen Wannsee ist wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Vor Jahren schon gab es Appelle an das Land Berlin, die Villa des Malers samt dem von den Nazis zerstückelten Garten zu restaurieren und das Vermächtnis Liebermanns angemessen zu gestalten. Doch wie der diesbezüglich engagierte Galerist Wolfgang Immenhausen (Galerie Mutter Fourage) sagt, hatten Einzelkämpfer wenig Chancen, ihr kulturelles Anliegen gegen die damaligen Mieter, den Deutschen Unterwasserclub, durchzusetzen. Das Land zeigte wenig Interesse, die Villa als kulturelle Stätte ernst zu nehmen – auch heute fehlt zum kompletten Grundstück ein Streifen, den andere Wassersportler als Zugang zum Wasser noch immer gepachtet haben. Peter Lorenz kommentiert: „Es hat ja eine gewisse Schäbigkeit, wie Berlin mit diesem Standort umgegangen ist all die Jahre.“ Doch die Max-Liebermann-Gesellschaft mit ihren mittlerweile knapp 1000 Mitgliedern hat das ihre beigetragen, um der Geschichte gerecht zu werden. Vom Senat bekam sie die Nutzungsrechte für Villa und Garten und organisiert nun die Förderung und Durchführung der Restaurationsarbeiten. Die MLG stemmt die rund 2,9 Millionen Euro teure Wiederherstellung und den Museumsbetrieb von Villa und Garten ohne finanzielle Unterstützung des Senats.

Haus und Garten sind ein Gesamtkunstwerk. Es gibt keinen überlieferten Plan, der die Gartenarchitektur festlegt, doch die vielen Bilder des Malers erlaubten Rückschlüsse auf die tatsächliche Bepflanzung. So wird der straßenzugewandte Teil wieder zum Nutzgarten. Bis zur Eröffnung gibt es noch viel zu tun; Stauden sind schon angelegt, und ehrenamtliche Mitarbeiter pflanzen Kohlrabi und Erdbeeren daneben. Roswitha Behrend aus Charlottenburg hilft ebenfalls mit, ob im Garten oder an der Kasse des Museumsshops. Sie schätzt die MLG vor allem wegen der Atmosphäre. In New York hat sie bewundert, wie viel einfaches Bürgerengagement bewegen kann, und nun freut sie sich, dass hier wieder ein Museum entsteht. Vorstand Prof. Dr. Rolf Budde spricht von „Zauber“, wenn er das große Engagement erklären soll. Ein Vorstandsmitglied sei ausschließlich damit beschäftigt, die rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter zu koordinieren.

Wolfgang Immenhausen, ehemaliger Schauspieler und Galerist, widmet sich seit Jahren der Wiederherstellung von Liebermanns Haus und Garten, für ihn „Genius Loci“. Wenige Tage vor der offiziellen Wiedereröffnung findet man ihn inmitten der Baustelle, die bald wieder Liebermann-Villa heißt. Der sanfte Mann mit den weißen Haaren hat schon frühmorgens Gemüse und Blumen gekauft, die nun von den vielen helfenden Händen eingepflanzt werden. Als geistiger Vater der MLG hat er die ästhetischen Überlegungen mitbegleitet und beispielsweise für die Rettung des alten Putzes am Haus und um jeden Quadratzentimeter Garten gekämpft, damit er wieder genau so wird wie zu Liebermanns Zeit.

Für Peter Lorenz ist Wolfgang Immenhausen der Mann, dem ein Denkmal gebührt. Durch seine Vision und Kraft motiviere er die vielen Menschen, die dieses Projekt voranbringen. Immenhausen selbst sieht das fast andersherum: „Die Leute hier sind von einer so großen Menschlichkeit, zeigen einen so großen Einsatz und Begeisterungsfähigkeit – ich fühle mich hier immer beschenkt.“

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