• Wie „Hundejustav“ auf der Parkbank thronte – Geschichten aus dem alten Reinickendorf

Berlin : Wie „Hundejustav“ auf der Parkbank thronte – Geschichten aus dem alten Reinickendorf

Lothar Heinke

Es sind große und kleine Geschichten von Leuten, die ein gutes Gedächtnis haben oder die eifrig mit ihren Tagebüchern umgegangen sind: „Hundejustav“ zum Beispiel kommt da zu Ehren, Kneipier am Waidmannsluster Damm. „Er wog bestimmt zweieinhalb Zentner. Die Hosenträger spannten sich über seinem beeindruckenden Bauch. Man könnte fast sagen, er thronte auf der Bank mit seinen beiden Rehpinschern und hielt Audienz. Die Tiere waren winzig. Das machte das Bild so kurios. Hundejustav kannte Gott und die Welt. Und alle kannten ihn. Er war ein Tegeler Unikum.“

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Wir schreiben die fünfziger und sechziger Jahre, Berlin war (bis zum 13. August 1961) nur unsichtbar geteilt, im Westen wohnte und lebte man anders als im Osten, viele kleine Dinge des Alltags waren von der großen Politik bestimmt. Zum Beispiel, als die DDR im Mai 1952 eine „Verordnung über Schutzmaßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen“ erließ und plötzlich sämtliche Straßen zwischen den Westsektoren und der DDR gesperrt waren. Oder als West-Berliner nicht mehr im Osten einkaufen durften. Die Folgen dieser Ereignisse im Kalten Krieg trafen besonders Berliner, die in jenen West-Bezirken wohnten, die ans DDR-Umland grenzten. Wie in Reinickendorf: Zahlreiche Begebenheiten zwischen Tegel, Wittenau, Hermsdorf, Waidmannslust und Lübars aus den Jahren 1950 bis 1965 sind jetzt auf den 235 Seiten des Buches „Westmädchen und Ostjungs“ vereint. Die fleißigen Chronisten der Erzählwerkstatt vom Reinickendorfer Heimatmuseum bewahren so das Gestern in der Erinnerung von heute – für alle, die auch morgen noch staunen möchten, wie’s damals war.

— Westmädchen und Ostjungs. Geschichten zur Geschichte von Berlin-Reinickendorf. 1950-1965.

Herausgegeben vom Heimatmuseum Reinickendorf. Jaron Verlag, Berlin. 239 Seiten, 10 Euro.

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