Berlin : Wie im Krimi – Wende im Mordfall Kaufmann

Nach der Festnahme von drei Tatverdächtigen in Berlin wird der Münchner Prozess gegen den Derrick-Schauspieler neu aufgerollt

Jörn Hasselmann

Der Tipp kam aus Berliner Kriminellenkreisen – nun muss einer der spektakulärsten Münchner Mordprozesse neu aufgerollt werden: Das Berliner SEK hat in der vergangenen Woche drei Berliner festgenommen, die bei der Tötung des Steuerberaters Hartmut Hagen im Februar 2001 dabei gewesen sein sollen. Zwei von ihnen haben den Überfall bereits gestanden. Wie Hagen zu Tode kam, darüber gibt es unterschiedliche Versionen.

Im November 2002 war der bekannte Schauspieler Günther Kaufmann („Derrick“, „Der Alte“) rechtskräftig zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Kaufmann hatte gestanden, seinen Freund Hagen im Affekt getötet zu haben, indem er ihn durch sein Körpergewicht – 117 Kilo – erstickte. Doch schon damals war den Richtern klar, dass der Fall nicht vollständig geklärt ist. Es gab am Tatort die DNA-Spur eines Unbekannten. Sie passt zu einem der jetzt Festgenommenen. Da Kaufmanns Anwalt Nikolaus Koehler ihm geraten hat, gar nichts zu sagen, müssen Münchens Kripo und Staatsanwaltschaft weiter rätseln: Wieso hat Kaufmann die drei Männer, die offenbar am Tatort waren, nicht verraten? „Es gibt alle möglichen Tatkonstellationen, die denkbar sind“, sagte der Leiter der Münchner Mordkommissionen, Josef Wilfling. Oberstaatsanwalt Peter Boie sagte dem Tagesspiegel, dass „kein rational nachvollziehbares Motiv zu erkennen ist“. Kaufmann hatte im Prozess zwei andere Unterweltgrößen der Mittäterschaft bezichtigt – doch die beiden waren unschuldig.

Fest steht jetzt, dass die drei in Berlin Festgenommenen am Tattag bei dem Steuerberater in München eingebrochen und mit Beute abgezogen sind. Dazu hätten sie einen Auftrag gehabt. Von der mittlerweile verstorbenen Ehefrau von Günther Kaufmann, sagte Boie. Einer der Männer, Hans-Joachim U., war in der West-Berliner Unterwelt der 80er Jahre eine bekannte Größe. Damals war er als Kunst-Dieb im Geschäft.

U. hatte in dem Prozess gegen Kaufmann als Zeuge ausgesagt. Dabei war herausgekommen, dass der 42-Jährige ein Verhältnis mit Kaufmanns kürzlich verstorbener Frau hatte – ein Tiefschlag für den 55-jährigen Schauspieler. Nach Informationen des Tagesspiegels hatten sich U. und Alexandra Kaufmann bei einer Kur kennen gelernt. Zuletzt lebte der Arbeitslose U. in einfachenVerhältnissen am Heilmannring in Charlottenburg. Prominentenanwalt Nikolaus Koehler sagte dem Tagesspiegel, dass als Motiv für Kaufmanns Schweigen Hörigkeit gegenüber seiner toten Frau in Frage komme – oder eine wie auch immer geartete Bedrohung. Der aus Berlin stammende Kaufmann soll in den kommenden Tagen aus der JVA Tegel nach München verlegt werden, ebenso die drei jetzt Festgenommenen.

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