Berlin : Wie in Chicago

Andreas Conrad

Aus früheren Jahrhunderten sind uns herzerweichende, doch zugleich beruhigende Verse wie diese überliefert: „Jedes legt noch schnell ein Ei, und dann kommt der Tod herbei.“ Traurig für Witwe Bolte, doch war es nicht die Vogelgrippe, die ihr geliebtes Federvieh hinwegraffte, und vor allem: Um die Eier musste sie sich keine Sorgen machen. Glückliche Zeiten! Wir dagegen beginnen schon, uns vor simplen Vergnügungen wie dem Bemalen von Ostereiern zu graulen, wenn es dazu überhaupt noch kommt. Voraussetzung sind Eier in unbegrenzter Zahl, frei von jeglichen Restriktionen beim Transport über die Stadtgrenzen hinweg – und hier geraten besonders Pendler zwischen Berlin und dem Umland ins Grübeln. Wann wird es angesichts schnell sich wandelnder Vorschriften Grenzkontrollen für Eierschmuggler geben? Sollten sie dann ihre Konterbande lieber am helllichten Tag oder in der Dämmerung transportieren? Schon drohen Verhältnisse wie zur Prohibition in Chicago. Nur ginge es diesmal nicht um Bourbon, sondern um Eierlikör. So weit wird’s kommen: Um sich nach Berlin durchzuschlagen, braucht der Osterhase diesmal Männer wie Al Capone.

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