Berlin : Wie in der Achterbahn

Die 4b der Steinwaldschule gewann mit einer Dokumentation über die Blockade einen Flug über Berlin – zum Tag der Luftbrücke

Ariane von Dewitz

Es wurden Reden gehalten, Hymnen gespielt und Kränze niedergelegt. Manch einem standen gestern bei der Gedenkveranstaltung zum Tag der Luftbrücke in Tempelhof die Tränen in den Augen. Nur die jüngsten Teilnehmer der feierlichen Zeremonie, Schüler der Marienfelder Steinwaldschule, guckten angestrengt in die Luft und dachten nur an eines: den Rosinenbomber. „Da kommt er“, riefen sie aufgeregt, als scheinbar aus dem Nichts die zweimotorige Propellermaschine DC3 mit lautem Getöse und leuchtenden Scheinwerfern im Tiefflug über die Köpfe brauste. „Da sitzen unsere Schulkameraden drin – weil sie gewonnen haben.“

Bei einem Wettbewerb des Wohlfahrtsverbandes „Care Deutschland“ hatte die Klasse 4b der Marienfelder Steinwaldschule den ersten Platz belegt – und einen Rundflug über Berlin mit dem Rosinenbomber gewonnen. Mit einem selbst gedrehten Video zum Thema „Vom Care-Paket zur Partnerschaft“ hatten die Schüler die Jury, der auch die amerikanische Botschaftergattin Marsha Coats angehörte, schwer beeindruckt. Mit Musik, Gesang und Interviews von sechs Zeitzeugen blicken die Schüler in ihrer etwa 15-minütigen Dokumentation auf die Zeit der Blockade zurück.

Der Flug hat die Schüler schwer beeindruckt. Nach der Landung ist der zehnjährige Marc noch etwas blass um die Nase – denn oben in der Luft war es etwas unruhig, „aber trotzdem toll“. Und wie fanden es die anderen? Zwei brauchten eine Spucktüte, erzählt die elfjährige Laura. Aber die anderen Schüler kreischen: „Hurra!“, „Super!“ Am besten hat vielen der Start gefallen: Da ging es steil nach oben, „wie in der Achterbahn“. Für sieben Schüler war der Rundflug sogar eine absolute Premiere. „Ich bin vorher noch nie geflogen“, sagt ein Mädchen.

Marc spricht dann nochmal über das Filmprojekt. „Jetzt kann ich mir das Leid der Menschen von damals viel besser vorstellen.“ Und die Klassengemeinschaft sei auch gestärkt. „Auf einmal kennen wir uns alle viel besser“, sagt Patrick (11). Neben den aufgeregt knipsenden Eltern, zeigt sich auch der ehemalige Luftwaffenhelfer und Zeitzeuge Martin Siegert sehr gerührt über das Interesse der Schüler. „Es ist so wichtig, dass unsere Geschichte in den Köpfen der nächsten Generationen präsent bleibt“, meint der 77-Jährige. Nur so könne man die Gegenwart besser verstehen. „Unser Projekt ist sehr gut gelungen“, verkündet der zehnjährige Georgi stolz. Dass seine Klasse den Rundflug im Rosinenbomber gewinnen würde, hätte er jedoch nie gedacht – zu Unrecht: „Es war bald klar, dass die Schüler den ersten Platz machen würden“, sagt Care-Sprecherin Heide Siegert. So viele liebevolle Details hätte sie von Zehnjährigen nie erwartet. Sie selbst habe damals von den Carepaketen profitiert – jetzt ist sie froh, dass der Gedanke mit so viel Engagement weitergetragen werde. „Ein bisschen Gänsehaut habe ich jetzt schon“, sagt Lauras Mutter, als ihre Tochter eine Urkunde von Marsha Coats überreicht bekommt. Lachen muss sie, als die Frau des amerikanischen Botschafters zu den Kindern sagt: „Ihr habt gerade in einem Flugzeug gesessen, in dem bisher noch nicht mal Präsident Bush fliegen konnte.“

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