Berlin : Wie James Bond zu einem Bären kam

Daniel Craig, Star der gestrigen Premiere von „Casino Royale“, ist längst Stammgast in Berlin

Andreas Conrad

So also sieht ein Shooting Star aus: schwarzer Smoking, der muskulösen Figur dezent angepasst, schwarze Fliege, weißes Kavalierstuch, das Haar militärisch kurz geschnitten, im rechten Arm eine luftig gewandete Schönheit, die linke Hand steckt mit souveräner Lässigkeit in der Hosentasche – Daniel Craig bei der Weltpremiere von „Casino Royale“ vor einer Woche in London, ein für seinen Auftritt an diesem Dienstagabend bei der Berliner Deutschlandpremiere unwahrscheinlicher Aufzug, war er doch schon tags zuvor in Madrid weit schlichter gekleidet.

So also sah ein Shooting Star aus: ein grauer Anzug, grau auch das Hemd und die Krawatte, kein Kavalierstuch, dafür eindeutig zu viel Gel im Haar. Auch schien der junge Mann nicht recht zu wissen, wohin mit den Händen, hielt sie vorzugsweise gefaltet, in Brusthöhe oder vor dem Schritt – Daniel Craig bei der Präsentation der „Shooting Stars 2000“ im Berlinale-Palast, in einer Reihe mit Jungschauspielern wie August Diehl und Nina Hoss. Als Film hatte er „Hotel Splendide“ mitgebracht, die surreale Geschichte vom Sturz eines Tyrannen, mit nach Hause nehmen durfte er einen der kleinen Bären, die der Juwelier Bucherer für die Nachwuchskräfte hatte gießen lassen. Niemand hätte sich damals vorstellen können, dass er mit dem grauen Jungschauspieler den künftigen James Bond vor sich hatte.

Der Berlinale-Auftritt war für den heute 38-jährigen Craig, Star der für den Dienstagabend avisierten Premiere im Cinestar am Potsdamer Platz, nur einer von vielen Besuchen in Berlin. Immer mal wieder war er in den vergangenen zehn Jahren hier aufgetaucht, oft als Begleitung seiner früheren Freundin Heike Makatsch, sei es 1996 bei den gemeinsamen Dreharbeiten zu dem Film „Obsession“, bei denen sie auch privat zueinandergefunden hatten, 1998 bei der Premiere des Detlev-Buck-Films „Liebe deine Nächste“, in dem sie mitspielte, bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2001 oder als VIP-Gast beim Stones-Konzert 2003. Es war also nicht damit zu rechnen, dass Craig auf dem roten Teppich Orientierungsschwierigkeiten haben würde. Heike Makatsch allerdings stand nicht auf der im Vorfeld veröffentlichten Gästeliste.

Vormittags hatten Arbeiter die Absperrungen und die Dekoration unterm Sony-Zelt aufgestellt, mit einer überdimensionalen 007 und Bonds neuem Aston Martin als wichtigsten Requisiten. Es sollte die dritte Berliner Bond-Premiere werden, und es ist bezeichnend, dass sie genau in der Mitte der Stadt, am Potsdamer Platz, ihrem wichtigsten Premierenort, vorgesehen war. Die erste, „Die Welt ist nicht genug“ 1999, hatte der Verleih im Kosmos an der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain stattfinden lassen, nicht ohne Sinn für historische Ironie, waren doch Bonds Gegner meist aus dem Osten gekommen – eine Reminiszenz an den Kalten Krieg, der in „Casino Royale“ definitiv vorbei ist. Die Karten für die Premiere waren diesmal besonders begehrt, neben üblicher Prominenz standen auch Celebritäten wie Boris Becker und Willy Bogner auf der Gästeliste, geladen, die Stars von „Casino Royale“ zu bejubeln, die Schauspieler Mads Mikkelsen, Caterina Murino, Ludger Pistor, Clemens Schick und Jürgen Tarrach, Regisseur Martin Campbell, die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson – und vor allem den Shooting Star des Abends, einen gewissen Craig, Daniel Craig.

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