Berlin : Wie Lego-Technik

Studenten haben ein Formel-1-Auto entwickelt und testen es jetzt auf dem Flugplatz Gatow

Manuel Opitz
Startklar. Am Humboldthain zeigten die Studenten das Rennauto. Foto: privat
Startklar. Am Humboldthain zeigten die Studenten das Rennauto. Foto: privat

Sie sind Technikfreaks, stehen auf Geschwindigkeit und tüfteln jede Woche zwischen 40 und 50 Stunden in der Werkstatt: TU-Studierende präsentierten am Donnerstag im Technologie- und Innovationspark am S-Bahnhof Humboldthain ihren neuen Rennwagen für Formel-1-Weltmeisterschaft der Studenten. In weniger als fünf Sekunden beschleunigt ihr 250-Kilogramm-Bolide von null auf 100, angetrieben wird er von einem lautstark knatternden Motorradmotor.

Seit November arbeiten die Studierenden an dem Wagen, den sie eigenständig entwickelt und konstruiert haben. „Unser Team besteht aus 27 Leuten, die natürlich alle technikbegeistert sind“, sagte der stellvertretende Projektleiter Nils Schaupensteiner, 24, aus Tiergarten. Schon als Siebenjähriger habe er versessen mit Lego-Technik Autos und Motorräder gebaut. „In den letzten Wochen haben wir sogar Nachtschichten eingelegt, um rechtzeitig fertig zu werden“, erzählt Schaupensteiner. Die Jungfernfahrt fand erst vor wenigen Wochen statt. Christoph Elfert aus Spandau, 23, ist einer von fünf Fahrern und durfte den Rennwagen testen. Nicht ohne Stolz trägt er seinen Rennoverall. Nur der Helm fehlt. „Es ist beeindruckend, in diesem Boliden zu sitzen, Gas zu geben und die Geschwindigkeit in den Kurven zu spüren“, sagte der Maschinenbau-Studierende. Als großer Rennsportfan verpasse er kein Formel-1-Rennen. Seine Hobbys: Kartfahren und mit seinem eigenen Motorrad über Pisten heizen.

Im Rennfieber stecken auch die vier jungen Frauen, die sich an dem Team beteiligen. Eine von ihnen ist Jana Knode aus Wedding. „Schon als Kind habe ich davon geträumt, einen Rennwagen zu bauen“, sagte die 20-Jährige. Feilen, drehen, fräsen, Autoteile fertigen – das sei nun mal ihre Welt. Anzusehen ist das der zierlichen Frau aber nicht. „Die Arbeit ist wie ein Fulltime-Job und manchmal ist es schwierig, Uni und Rennwagen unter einen Hut zu bringen“, sagt Knode. Aber das Gefühl, etwas Großes zustande gebracht zu haben, entschädige alles. Den TU-Studierenden bleibt nur noch wenig Zeit, um ihren Wagen zu optimieren. Am 2. August beginnt die „Formula Student Germany“ am Hockenheimring. Dort treten die TU-Studierenden gegen mehr als 30 deutsche und 40 internationale Teams aus 20 Ländern an. Es ist nicht nur die Geschwindigkeit, die zählt. „Wichtig ist auch Zuverlässigkeit“, sagte Knode. Denn die meisten Teams würden an der Renndistanz von 22 Kilometern scheitern – zu anfällig seien die Rennwagen. Deshalb werden die kommenden Tage für die TU-Studierenden noch arbeitsintensiver. „Es geht jetzt darum, so viele Testkilometer wie möglich zu sammeln“, sagte Fahrer Elfert. Getestet wird auf dem ehemaligen Flughafengelände in Gatow. Auch die Fahrer trainieren. „Wenn wir den Wagen gegen die Wand fahren, ist es aus.“ In einem Rennboliden stecken zwischen 100 000 und 500 000 Euro. Manuel Opitz

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