Berlin : Wie Lorenz Adlon Berlin den Luxus brachte

Hoch gerühmt und fast vergessen: Das Hotel Adlon am Pariser Platz feiert sein 100. Jubiläum mit einer Ausstellung, Veranstaltungen und einem Buch

Bernd Matthies

Adlon verpflichtet: Das Berliner Vorzeigehaus ist das einzige Hotel der Welt, das gleich zwei Mal vom Staatsoberhaupt eröffnet wurde. Dies ist zwar eher die Folge politischer Verwerfungen als ein Verdienst – doch es illustriert die weltweit wohl einzigartige Stellung des Luxushotels als historischer Mythos. 100 Jahre ist es her, dass Kaiser Wilhelm II. den Prunkbau am Pariser Platz zum ersten Mal eröffnete; das wird nun in den kommenden Monaten aufwendig gefeiert.

20 Millionen Goldmark hatte das Hotel gekostet, das sich der gebürtige Mainzer Lorenz Adlon an die beste Stelle der Stadt setzen ließ. Es machte mit seinem bis dahin kaum vorstellbaren Luxus die Welt des Adels auch dem Bürgertum zugänglich und zog sowohl vor als auch nach dem Ersten Weltkrieg praktisch alle nach Berlin reisenden internationalen Prominenten wie Albert Einstein oder Enrico Caruso an, war Schauplatz wichtiger Konferenzen und Kongresse.

Im Mai 1945 wurde das Adlon durch einen Brand weitgehend zerstört, der renovierte Rest diente eine Weile als Hotel, dann als Lehrlingswohnheim, 1984 wurde alles abgerissen. Am 23. August 1997 erschien Staatsoberhaupt Nummer zwei, Roman Herzog, zur Eröffnung, und der fast schon untergegangene Mythos blühte wieder auf.

Das Hotel hat sich zum Jubiläum eine kleine Ausstellung spendiert, die für externe Besucher an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr auf der Bel Etage zu sehen ist. Kurator Wilfried Rogasch hat eine Vielzahl von Exponaten zusammengetragen, von Fundstücken aus dem Fundament über Silber und Porzellan, Gästebücher und Speisekarten bis hin zu einem Brief, auf dem Erich Honecker auf Veranlassung von Egon Krenz den Befehl zur Sprengung des Hotelrestes zur Kenntnis nimmt: „E.H.“

Zum Jubiläum gibt es ferner einen Prachtband „100 Jahre Adlon“, der unter Leitung des Journalisten Lutz Krieger entstanden ist. Zu den Autoren des historischen Überblicks zählen Eberhard Diepgen und sein ehemaliger Sprecher Michael-Andreas Butz; Ex-Polizeipräsident Georg Schertz hat aus alten Ermittlungsakten den Fall des „Schinkenbrotmörders“ Wilhelm Blume rekonstruiert, der 1919 im Adlon einen Geldbriefträger erdrosselte und erst drei Jahre später in Dresden gefasst wurde.

Nicht alles, was man zu wissen glaubt, konnte auch durch Dokumente belegt werden: War der große Auguste Escoffier tatsächlich einmal Küchenchef im Haus und hat hier womöglich eine seiner berühmten Saucen erfunden? Krieger glaubt, dass es so war, hat aber keinen Beweis gefunden.

Das Rahmenprogramm beginnt am morgigen Donnerstag mit einer „kulinarischen Zeitreise“ im Gourmetrestaurant Lorenz Adlon – weitere Galamenüs folgen (Info: www.hotel-adlon.de), das „Quarré“ im Erdgeschoss serviert täglich ein Jubiläumsmenü. Am 25. und 26. August, dem 10. Geburtstag des neuen Adlon, gibt es einen Tag der offenen Tür mit Hausführungen vor und hinter den Kulissen. Zum eigentlichen Geburtstag am 29. Oktober sind Festakt und Gala für rund tausend geladene Gäste geplant.

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