Berlin : Wie man Qualität langfristig misst

Aufwendige Berechnungen ermöglichen einen fairen Vergleich der Kliniken. Grundlage sind anonymisierte Patientendaten der AOK

Günther Heller[Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)]

Die Methodik folgt dem ursprünglich von der AOK und den Helios-Kliniken entwickelten QSR-Verfahren (Qualitätssicherung mit Routinedaten). In QSR werden stationäre Therapien auf ihren längerfristigen Behandlungserfolg untersucht.

Dabei werden Daten aus der Abrechnung von Krankenhausleistungen mit Versichertendaten der AOK zusammengeführt. Dadurch ist es möglich, nicht nur Behandlungsergebnisse während des Krankenhausaufenthaltes zu berücksichtigen, sondern diese bis zu einem Jahr nach der Entlassung weiterzuverfolgen.

Im Rahmen der regionalen Initiative von Tagesspiegel, Gesundheitsstadt Berlin und der AOK Berlin-Brandenburg wurde die Methodik in einer ausführlichen Diskussion mit den Berliner Kliniken weiterentwickelt. In einem ersten Schritt wurde die QSR-Analyse auf Operationen bei Hüft- und Kniegelenksersatz sowie bei Oberschenkelbrüchen angewandt. Die Ergebnisse basieren auf Informationen von AOK-Patienten, die in den Jahren 2005-2007 in Berliner Krankenhäusern behandelt und deren Behandlungsergebnisse bis Ende 2008 verfolgt wurden. Kliniken mit weniger als 30 Fällen werden aus Gründen der statistischen Aussagekraft nicht dargestellt.

Die Behandlungsergebnisse werden mit Qualitätsindikatoren gemessen. Dabei werden Komplikationen, die nach dem Eingriff auftreten, gezählt, wie etwa eine Thrombose (ein plötzlich auftretendes Blutgerinnsel), ein erneuter Eingriff nach der Operation oder ein Todesfall. Diese Komplikationen sind nicht in jedem Fall durch eine verminderte medizinische Qualität verursacht. So kann eine Thrombose nach einer Operation auch ohne medizinische und pflegerische Mängel auftreten. Sie wird aber ohne sachgerechte Behandlung wahrscheinlicher auftreten. Daher weisen die Indikatoren auf (mögliche) Qualitätsmängel hin, beweisen diese aber nicht.

Die Zahlenwerte in den Tabellen und deren Farbcodierungen ermöglichen einen Vergleich der langfristig erreichten Behandlungsqualität in den Krankenhäusern. Kurz gesagt kann der Leser folgende Schlüsse daraus ziehen: Eine Klinik ist umso besser, je geringer der Wert ist. Grün kennzeichnet dabei Kliniken mit besseren Ergebnissen; rot steht für ein deutlich unterdurchschnittliches Ergebnis. Eine weiße Kennzeichnung heißt, dass der Wert sich nicht hinreichend deutlich von der durchschnittlichen Qualität unterscheidet.

Dahinter stehen komplizierte Berechnungen: Um den fairen Vergleich der Kliniken zu gewährleisten, wurde das Risikoprofil der Patienten berücksichtigt. Denn deren Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen beeinflussen das Behandlungsergebnis. Der Wert benennt also kein real gemessenes Ergebnis, sondern stellt ein sogenanntes Standardisiertes Mortalitäts-Verhältnis beziehungsweise Morbiditäts-Verhältnis (SMR) dar. Liegt eine Klinik (risikobereinigt) auf dem Durchschnitt der Krankenhäuser Berlins, ist der Wert eins, bei doppelt so vielen Komplikationen eine zwei; wenn nur halb so viele Komplikationen auftreten, ergibt das eine 0,5.

Die Farbmarkierungen hinter den Zahlenwerten in den Tabellen berücksichtigen zusätzlich auch den Einfluss des Zufalls. Je höher die der Analyse zugrunde liegende Fallzahl ist beziehungsweise je deutlicher der Wert vom Durchschnitt abweicht, desto statistisch belastbarer ist das Ergebnis. Dazu wird die Spanne berechnet, in der sich 95 Prozent der Zahlenwerte bei einer (theoretisch) mehrfachen Wiederholung der Behandlung unter identischen Bedingungen befinden würden. In den vorbereitenden Diskussionen haben sich die Vertreter der Berliner Kliniken gemeinsam mit den Initiatoren des Projektes dafür entschieden, die Ergebnisse, deren untere Grenze dieser Spanne über 1,5 liegen – das heißt, das Ergebnis befindet sich mit 95prozentiger Sicherheit deutlich oberhalb des Durchschnitts von 1 –, mit rot zu kennzeichnen und Werte, deren obere Grenze der Spanne unter 1,5 liegen, grün zu markieren.

Günther Heller, Wissenschaftliches

Institut der AOK (WIdO)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben