Berlin : Wie Napoleon Fürst Hatzfeld begnadigte

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Fürst Hatzfeld, Gouverneur von Berlin, tat alles, um sich dem neuen Herrn Napoleon dienstbar zu erweisen. Dennoch sollte er, wegen eines Briefes an Friedrich Wilhelm III., des Hochverrats angeklagt werden. Seine Frau suchte Napoleon im Stadtschloss auf, bat um Gnade, sah den Gemahl aber wohl schon vor dem Erschießungspeloton, als ihr das Schreiben gezeigt wurde. Wie es ausging, hat Napoleons Kammerdiener überliefert: „Madame! sagte der Kaiser, nachdem er ihr den Brief wieder abgenommen. Dieser Brief allein enthält die Beweise gegen Ihren Gemahl! Wir wollen ihn verbrennen! Damit warf er ihn ins Feuer.“

Die Episode findet sich gleich in zwei Büchern, die der Berlin Story Verlag anlässlich des Einzugs Napoleons in Berlin vor 200 Jahren herausgebracht hat. Beide nehmen sie den 27. Oktober 1806 aber nur zum Ausgangspunkt eines Streifzugs durch einen vierjährigen Abschnitt der Berliner Geschichte, von der Niederlage von Jena und Auerstedt bis zur Rückkehr des Königspaares aus dem ostpreußischen Exil. „Napoleon in Berlin“ schildert die Ereignisse chronologisch, mit vielen Zitaten, deren Fundstellen allerdings vielfach nicht mitgeteilt werden, von genauen Quellenangaben ganz zu schweigen. Der ergänzende Band „Die Franzosen in Berlin“ legt den Schwerpunkt auf historische Texte, etwa die Schilderung der Flucht der königlichen Kinder nach Danzig durch Kronprinz Friedrich Wilhelm oder das Kriegstagebuch des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, vom 28. September bis zum 6. Oktober 1806, die letzten Passagen im Original kaum mehr zu entziffern, offenbar in großer Eile geschrieben. Vier Tage später war der Prinz tot, gefallen bei Saalfeld. ac

Zum ThemaOnline Spezial: Literatur Service "Napoleon in Berlin": DiesesBuch online bestellen Frank Bauer: Napoleon in Berlin. Preußens Hauptstadt unter französischer Besatzung 1806 – 1808; Die Franzosen in Berlin. 1806 – 1808. Berlin Story Verlag Berlin. 190 und 260 Seiten, jeweils 19,80 Euro.

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