Berlin : Wie Schadow in seinem Schachclub mattgesetzt wurde Eine Ausstellung über

das königliche Spiel in Berlin

Thomas Loy

Am Anfang war das Bild „Eine Schachpartie im Palais Voss“ von Johann Erdmann Hummel. Es zeigt Mitglieder des ersten deutschen Schachclubs, 1803 in Berlin gegründet. Der Kunsthistoriker Hans Holländer interessierte sich eigentlich für die perspektivischen Forschungen Hummels und bemerkte nebenbei, dass über das Bildthema kaum etwas bekannt ist. Es begann eine dreijährige Spurensuche in Archiven und Bibliotheken, ein „tolles Abenteuer“, sagt Holland.

Man traf sich damals den Sommer über im Tiergarten, um eine Partie Schach zu spielen: Künstler, Professoren, Geheimräte, Mediziner. Als der Herbst anbrach, war die Spiellaune noch nicht zur Neige gegangen. Also suchte man ein passendes Vereinszimmer und gründete einen Club. 70 Paragraphen wurden ausgearbeitet und drei Direktoren ernannt. Einer von ihnen war der Bildhauer Johann Gottfried Schadow.

„Schadows Schachclub“ heißt folgerichtig die neue Ausstellung in der Kunstbibliothek am Kulturforum. Holländer konnte einen Großteil der Mitglieder des Clubs identifizieren. Schadow führte ein Tagebuch über seine Schachpartien und zeigte erheblichen Ehrgeiz. Als ein Professor Buchholz aufgenommen wurde, gegen den er zunächst verlor, spielte er solange gegen ihn, bis er gewann. Als sich weitere Schachclubs in Breslau, Hamburg und Posen gebildet hatten, wurde auf dem Postweg gegeneinander gespielt. Von Turnieren ist allerdings noch nicht die Rede.

In der Satzung des Schachclubs war die Aufnahme auf „Zivilpersonen“ beschränkt. Offiziere galten als nicht ausreichend gebildet, um an der spielbegleitenden Konversation teilnehmen zu können. Man sprach wie in den vielen anderen Clubs der Stadt über Wissenschaft und Kunst. Das Offiziersverbot wurde später gelockert. Zumindest als Gäste waren die Herren nun willkommen. So ist auf Hummels Bild von 1819 auch ein Graf Brandenburg in Uniform vertreten. Mit Schadows Tod 1850 endet die Clubgeschichte. Schon in den Jahren zuvor litt die Berliner Schachszene unter Mitgliederschwund.

Neben Schachbüchern werden auch Figuren aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt. Beliebt waren militärische Motive, wobei die historische Wahrheit gerne vernachlässigt wurde: Der Alte Fritz tritt mit langen Kerls gegen Napoleon an, dieser gegen die Chinesen, Römer und Germanen ziehen mit Turmelefanten gegeneinander in die Schlacht, und Perikles kämpft gegen Xerxes.

Kulturforum, bis 16. November, Di - Fr von 10 bis 18 Uhr, Sa/So von 11 bis 18 Uhr.

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