• Wie sehr Berliner an Strom, Wasser und Heizung sparen: Kalte Wohnung, dunkles Bad, geklauter Strom

Wie sehr Berliner an Strom, Wasser und Heizung sparen : Kalte Wohnung, dunkles Bad, geklauter Strom

Laut einer Umfrage sind Berliner besonders sparsam. Unser Autor fürchtet aber, dass mancher Sparfuchs in die Falle tappt. Eine Glosse.

Sparen beim Spülen? Ein Ziegelstein im WC-Kasten macht's möglich.
Sparen beim Spülen? Ein Ziegelstein im WC-Kasten macht's möglich.Foto: dpa

Alle wundern sich über die Sachsen. Dabei könnten wir in Berlin auch bei uns selbst anfangen. Wobei unser Problem ein eher harmloses ist, denn es geht hier nicht um die Vermehrung besorgter Rechtsbürger, sondern um einen im Bundesvergleich besonders ausgeprägten Hang zum Sparen, der die Berliner ihre Lebensqualität verkaufen und Knochenbrüche riskieren lässt – für mittlere zweistellige Centbeträge pro Jahr!

Laut einer repräsentativen Umfrage des Internetportals RetailMeNot versuchen Berliner noch stärker als die Durchschnittsdeutschen, bei den Wohnnebenkosten zu sparen – und scheuen dafür weder Entbehrungen noch Humbug, den wir mal entlarven, weil es ausweislich der Befragung Bedarf dafür gibt.

Zu den Entbehrungen: 34 Prozent der Berliner sagen, dass sie möglichst gar nicht heizen (Bund: 21 Prozent). Das verlangt im kontinentalklimatisch geprägten Berlin einen starken Überlebenswillen, kann aber durchaus 1000 Euro im Jahr sparen. Mit 63 Prozent sehr beliebt (Bund: 45 Prozent) ist in Berlin auch, nachts im Dunkeln auf die Toilette zu gehen. In Hamburg tun das zwar noch mehr (72 Prozent), aber das mag am geringen Unterschied zwischen Tag und Nacht im hanseatischen Nieselland liegen. Was bringt es überhaupt? Also: Bei antiquierter Beleuchtung mit 60-Watt-Glühlampe und einem Toilettengang à fünf Minuten pro Nacht: 1,8 Kilowattstunden, also rund 50 Cent – im Jahr! Dafür hat man 365 Mal den Oberschenkelhals riskiert und sich wahrscheinlich elf reale blaue Flecken und zwei verstauchte Zehen geholt. Kann man machen, muss man aber nicht.

Erwartungsgemäß haben Berliner auch öfter einen Ziegelstein im Spülkasten (18 gegenüber 9 Prozent), was das Wasservolumen um gut zwei Liter verringert. Macht bei täglich fünf Spülungen im Jahr immerhin vier Kubikmeter, also 16 Euro. Gegenzurechnen sind sporadische Havarieeinsätze und Spülmannsaktionen der Wasserbetriebe wegen verstopfter Rohre.

Besonders krass ist die Abweichung vom Bundesschnitt (58 statt 28 Prozent) beim auswärtigen Aufladen von Handy und Tablet, um heimischen Strom zu sparen. Das bringt je nach Handymodell etwa einen Euro im Jahr – und je nach Arbeitgeber eine Kündigung. Dann muss man wirklich im Dunkeln aufs Klo.

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