Berlin : Wie sieht Berlin in 40 Jahren aus?

Ausländerbeauftragte Deutschlands[begeht heu]

Ausländerbeauftragte Deutschlands, begeht heute ihr Dienstjubiläum Frau John, was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bundeskanzlerin wären?

Zwei Dinge: Sofort würde ich die Themen Bevölkerungsentwicklung und Einwanderung/Integration zur Chefinsache machen. Wir haben keine Zeit, Entscheidungen über Einwanderung und mehr Integration auf die lange Bank zu schieben. Unsere Bevölkerung nimmt rapide ab und wird älter. Wir brauchen die Ideen, den Schwung und den Aufstiegswillen von Einwanderern, die nur kommen werden, wenn sie sich hier sicher und wohl fühlen können. Reformen in der Bildung und im Arbeitsrecht sind dringend erforderlich, um den breiten Aufstieg von Zuwanderern, die schon länger hier leben, zu bewirken. Ich würde einen Kabinettsauschuss für Globale Aufgaben bilden, damit Wanderungsfragen im Zusammenhang gesehen und politisch gelöst werden könnten. Ein Beispiel: Für Länder mit hohem Flüchtlingsaufkommen muss es abgestimmte Konzepte in der Entwicklungs-, in der Außen- und in der Europapolitik geben, sonst versanden die Einzelmaßnahmen.

Wen möchten Sie unbedingt einmal treffen?

Immer den guten Ton und die richtige Entscheidung.

Mit welchen Menschen möchten Sie nie etwas zu tun haben?

Menschen von vornherein an die Seite zu stellen, das liegt mir nicht. In meiner Arbeit treffe ich durchaus auf Menschen, deren Haltungen und Auffassungen ich verabscheue. Daraus mache ich kein Hehl. Auch wenn ich gänzlich anderer Auffassung bin, muss ich die Person nicht ablehnen.

Was war Ihre größe Enttäuschung im Amt?

Die Wahl der Republikaner ins Abgeordnetenhaus im Jahr 1989 nach einer beispiellosen Hasskampagne gegenüber Ausländern. Enttäuschend war auch die Reaktion der Staatsanwaltschaft auf meine Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Zwar wurde der infame Fernsehspot als ausländerfeindlich und diskriminierend charakterisiert; ein Angriff auf die Menschenwürde wurde darin aber nicht gesehen. Mir war danach klar, dass wir bessere Gesetze brauchen, um Menschen vor Herabsetzungen zu schützen.

Was war Ihr größter Erfolg?

Es gab viele Erfolge; einer liegt mir besonders am Herzen, nämlich die Einrichtung einer Härtefallkommission in Berlin. Es war die erste ihrer Art. Weil das Leben nun einmal unordentlich ist und sich Schicksalsschläge nicht starren Rechtsvorschriften unterordnen, kam es immer wieder zu fragwürdigen Entscheidungen bei der Familienzusammenführung, bei der Erteilung von Arbeitserlaubnissen, bei Ausreiseaufforderungen, die rechtlich möglich, aber integrationspolitisch katastrophal waren. Ich erinnere mich an den Fall einer türkischen Berlinerin, die bei einer Blutübertragung während der Geburt ihres Kindes mit Aids infiziert worden war. Resultat: die Einreise des Ehemanns sollte nicht gestattet werden, weil sie den Lebensunterhalt der Familie als Schwerkranke nicht bestreiten konnte.

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Meiner Stadt Berlin, die ich liebe, schon so lange als Ausländerbeauftragte dienen zu dürfen.

Schildern Sie uns Ihre lustigte Begegnung?

Ich hielt mit meinem PKW an der Ampel am Halleschen Tor. Plötzlich fuhr jemand auf. Der Fahrer, ein türkischer Berliner, sagte: "Lieber wäre ich in den Landwehrkanal gefahren als ausgerechnet auf ihr Auto." Diese Alternative gefiel mir nicht und ich erklärte ihm: "Als Rettungsschwimmerin wäre ich ihnen hinterhergesprungen, um sie rauszuziehen." Wir einigten uns so, dass die kleinen Blechbeulen beiden nicht wehtaten.

Wohin fahren Sie in den Urlaub, etwa in die Türkei?

Urlaub, was ist das? Ich leite meine Dienststelle im August vom Bayerischen Wald aus.

Wie sieht Berlin in 40 Jahren aus?

Berlin ist dann längst eine mitteleuropäische Metropole in der erweiterten Europäischen Union. Viele Polen. Ungarn, Tschechen und Balten werden hier arbeiten, leben oder sich die Stadt touristisch erschließen. Mehr Berlinerinnen und Berliner als bisher werden zwei- oder sogar mehrsprachig sein. Viele Deutsche türkischer Herkunft werden in Wirtschaft und Politik Spitzenpositionen ausüben. Berlin ist dann die internationalste Stadt zwischen Rhein und Wolga, allerdings nur, wenn wir uns auf mehr Einwanderung einlassen. Wenn nicht, dann werden wir auf den Straßen viel mehr ältere Menschen mit Gehhilfen sehen als Kinder mit Rollern.

Wie lange machen Sie den Job noch?

Da bin ich selbst mal gespannt.

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