Berlin : Wie teuer sind Berlins Arbeitslose? Studie über hohe Kosten skeptisch aufgenommen

Sandra Dassler

Mit Skepsis haben die Bundesagentur für Arbeit und die Landesarbeitsagentur Berlin auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) reagiert. Diese war auf der Grundlage von Zahlen aus dem Jahr 2003 zu dem Schluss gekommen, dass die Berliner Arbeitsagenturen besonders viel Geld verschwenden. Grund: Während beispielsweise die Arbeitsagentur in Siegen nur 7 400 Euro aufwendete, um einen Arbeitslosen zu vermitteln, seien es in Berlin durchschnittlich 38 400 Euro gewesen.

„Ich glaube nicht, dass man Siegen und Berlin vergleichen kann“, sagte eine Sprecherin der Bundesarbeitsagentur gestern: „Zwar hat das Institut die Arbeitslosenquote berücksichtigt, aber auch dies reicht für einen soliden Vergleich nicht aus, denn dann könnte man beispielsweise Berlin mit Dresden gleichsetzen.“

Der zuständige Referent beim IW in Köln, Holger Schäfer, verteidigt die Studie: „Die Zahlen sind vergleichbar. Sie zeigen zumindest, dass Berlin viel mehr Geld als andere Städte ausgab.“ Auch Sybille Meister, die Haushaltsexpertin der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, fühlt sich in ihrer Kritik an der Arbeitsmarktpolitik bestätigt: „Berlin steckt zu viele Arbeitslose in Maßnahmen, bei denen sich schon vorher abzeichnet, dass diese nicht viel nützen“, meint sie und fordert eine stärkere Kontrolle der aus dem Landeshaushalt geflossenen Gelder.

Der Sprecher der Landesarbeitsagentur Berlin-Brandenburg, Olaf Möller, sieht das gelassen: „Seit 2003 ist sehr viel geschehen, um die Vermittlung von Erwerbslosen in den ersten Arbeitsmarkt zu effektivieren“, sagt er. „Außerdem hat sich auch durch Hartz IV einiges geändert: „Im August 2003 haben wir 263 000 Menschen betreut, jetzt sind es durch den Wegfall der Langzeitarbeitslosen nur noch 95 000.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben