• Wie viele Ausländer braucht die Stadt?: Die Zahl der Nicht-Deutschen ist seit 1990 um 120.000 gestiegen

Berlin : Wie viele Ausländer braucht die Stadt?: Die Zahl der Nicht-Deutschen ist seit 1990 um 120.000 gestiegen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Ohne Ausländer wäre Berlin längst keine Drei-Millionen-Stadt mehr. Die Zahl der deutschen Einwohner ist seit dem Mauerfall stetig zurückgegangen, während sich die Zahl der Ausländer von 315 600 (1990) auf 434 400 (2000) erhöhte. 128 700 stammen aus der Türkei, 66 400 aus Staaten der Europäischen Union, 61 200 aus dem früheren Jugoslawien, 28 600 aus Polen und 24 800 aus Russland und anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion.

Bürger der Vereinigten Staaten spielen in Berlin zahlenmäßig (10 400) nur eine randständige Rolle. Dagegen wohnen in der Hauptstadt 57 700 Asiaten, 15 300 Afrikaner und 8100 Südamerikaner. Vietnamesen, Iraner und Thailänder sind besonders stark vertreten, während die weltweit bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich aufstrebenden Länder - China und Indien - in Berlin mit knapp 4000 bzw. 1500 Menschen stark unterrepräsentiert sind. Auffällig ist, dass zurzeit weniger Türken in Berlin wohnen als 1990. Dem liegt aber wohl keine Rückwanderungswelle zugrunde, sondern die stetig steigende Zahl von Einbürgerungen. Jährlich erhalten 10 000 bis 12 000 Ausländer einen deutschen Pass. Seit 1945 wurden in Berlin fast 170 000 Menschen eingebürgert.

Die natürliche Bevölkerungsentwicklung trug zum Wachstum der Stadt seit 1990 hingegen wenig bei. Der Anteil der Kinder unter 15 Jahren ging zwischen dem Wendejahr 1990 und dem Hauptstadt-Umzugsjahr 1999 von 15,9 Prozent auf 13,8 Prozent zurück. Der Anteil der Alten, über 65 Jahre, ist im gleichen Zeitraum fast unverändert geblieben. Berlin ist also keine "Rentnerstadt". Im Vergleich mit allen anderen deutschen Großstädten schneiden nur Cottbus und Rostock, gemessen am Anteil der über 65-Jährigen, günstiger ab. Trotzdem stieg der Altersdurchschnitt in den Ost-Bezirken im vergangenen Jahrzehnt von 36,3 auf 39,3 Jahre und in den Westbezirken von 40,7 auf 41,5 Jahre. Denn Berlin ist eine kinderarme Stadt geworden.

In vier von fünf Berliner Haushalten sind inzwischen keine Kinder mehr zu finden. Nur jeder elfte Haushalt besteht aus Familien mit zwei und mehr Kindern. Alleinerziehende sind schon eingerechnet. Den Titel "Single-Hauptstadt" trägt Berlin zu Recht. Der Ostteil der Stadt hat sich vom drastischen Geburteneinbruch nach der Vereinigung noch längst nicht erholt. Kamen 1987 in der damaligen "Hauptstadt der DDR" 18 400 Kinder lebend zur Welt, waren es 1993 im Ostteil Berlins nur noch 7522. Seitdem steigt die Geburtenzahl allmählich wieder an. Viele Frauen holen das Kinderkriegen offenbar nach. Aber auch in den West-Bezirken werden, im Vergleich zu 1990, weniger Kinder auf die Welt gebracht.

Im gleichen Zeitraum stieg die Lebenserwartung der Berliner um ein bis zwei Jahre, die Zahl der Gestorbenen ging schrittweise zurück. Dennoch ergab sich im letzten Jahrzehnt - wegen der "Geburtenkrise" - ein Sterbeüberschuss: Zwischen 5000 und 12 000 Menschen jährlich. Wären, vor allem zwischen 1990 und 1995, nicht soviele Ausländer zugewandert, hätte Berlin seit dem Mauerfall eine dramatisch sinkende Bevölkerungzahl zu verdauen. So aber liegt die Zahl der deutschen und nicht-deutschen Berliner nur um 47 000 unter der vom Vereinigungsjahr 1990.

Die Zuzüge von Deutschen tragen nur bescheiden zur Bevölkerungsentwicklung Berlins bei. Nach Erhebungen des Statistischen Landesamts kamen 1999 aus den alten Bundesländern 36 339 Deutsche in die Hauptstadt. Aus den neuen Ländern ließen sich im gleichen Jahr 27 936 Deutsche in Berlin nieder, davon stammten 11 962 aus dem Umland. Aus dem Ausland zogen nur 6156 Deutsche nach Berlin. Ganz nebenbei: Westdeutsche suchen immer noch vorzugsweise in den West-Bezirken und Ostdeutsche in den Ost-Bezirken eine Wohnung. Insgesamt blieb die Zahl der Zuzüge von Deutschen im Jahr 1999 (70 431) weit hinter den Fortzügen zurück. 84 944 wollten weg: Knapp die Hälfte in die alten Bundesländer, jeder Dritte ins Umland, jeder Zehnte in die neuen Länder und jeder Vierzehnte ins Ausland. Schon seit 1990 verlassen mehr Deutsche Berlin als zuziehen.

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