• Wie viele Ausländer braucht die Stadt?: Gut qualifizierte Ausländer sind gern gesehen

Berlin : Wie viele Ausländer braucht die Stadt?: Gut qualifizierte Ausländer sind gern gesehen

Sigrid Kneist

Für die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) ist die Sache klar: "Berlin braucht die Zuwanderung von leistungsfähigen und qualifizierten Arbeitnehmern. Ohne diese wird die Stadt nicht auskommen." Und die müssten auch aus dem Ausland kommen, sagt IHK-Sprecher Stefan Siebner. Denn der Austausch an Arbeitskräften aus den anderen Regionen Deutschlands sei nicht ausreichend: "Das ist letztlich ein Nullsummenspiel." Die IHK möchte allerdings keine Größenordnung der Zuwanderung nennen. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder hatte von 200 000 Zuwanderern bis zum Jahr 2010 gesprochen. Laut IHK-Sprecher Siebner wird dies davon abhängen, was der Arbeitsmarkt verkraften und welche Integrationsleistungen man den Berlinern abverlangen kann: "Wir brauchen ein Klima der Offenheit, die Menschen müssen sich hier wohlfühlen."

Verhalten äußert sich Klaus-Hubert Fugger von der Vereinigung der Unternehmensverbände (UVB). Man dürfe die Themen Arbeitskräftebedarf und Zuwanderung nicht vermengen. "Natürlich brauchen wir junge qualifizierte Menschen, die in die Stadt kommen", sagt Fugger. Für hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland müsse es auch Liberalisierungen geben, so wie derzeit mit der Green Card in der IT-Branche. Keinesfalls brauche Berlin mit einer Arbeitslosenquote von derzeit 15,7 Prozent aber einen Zuwachs an weiteren schlecht ausgebildeten Menschen in der Stadt. Gerade bei den Ausländern in der Stadt sei der Anteil nicht qualifizierter Arbeitnehmer hoch, so dass sie bei den Arbeitslosenzahlen überdurchschnittlich vertreten sind. Knapp ein Drittel von ihnen ist nach der Statistik des Arbeitsamtes arbeitslos. Die Dynamik einer Stadt hängt nach Auffassung des UVB nicht davon ab, ob die Einwohnerzahl gehalten werden kann oder nicht.

"Man muss Schluss machen mit der Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Berlin braucht die Zufuhr", sagt Dieter Pienkny vom DGB Berlin-Brandenburg. Sonst werde die Stadt erstarren. Auch in Hinblick auf die EU-Osterweiterung dürfe man nicht in eine Wagenburgmentalität verfallen, sondern brauche endlich ein Einwanderungsgesetz. "Mit einer vernünftigen Arbeitsmarktpolitik kann Berlin zur Ost-West-Drehscheibe werden", sagt Pienkny.

Wie sich der Arbeitskräftebedarf in den nächsten zehn Jahren entwickeln wird, kann das Landesarbeitsamt nicht sagen. Prognosen werden nur für das laufene Jahr erstellt. Fest steht allerdings, dass schon vom Jahr 2002 an kontiuierlich weniger Jugendliche eine Ausbildung beginnen und ins Erwerbsleben treten werden. Richtig bemerkbar wird diese Entwicklung ab dem Jahr 2008. Dann werden rund 5000 Jugendliche weniger die Schule verlassen als noch in diesem Jahr. Schon heute weisen die Arbeitsämter die Unternehmen darauf hin, dass sie für die Zukunft vorsorgen und über Bedarf ausbilden sollen, um einem drohenden Facharbeitermangel vorzubeugen. Diesen prognostizieren auch die Unternehmensverbände. Schon in drei oder vier Jahren könnten in der Industrie in einigen Branchen ausgebildete Fachkräfte fehlen.

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