Berlin : Wieder Bierflasche gegen Bus

BVG befürchtet hohe Vandalismusschäden

Jörn Hasselmann

Fasst keine Nacht vergeht inzwischen ohne Angriffe auf BVG-Busfahrer oder Kontrolleure: In der Nacht zu Freitag warf ein Jugendlicher eine Bierflasche auf einen Bus, sie durchschlug eine Scheibe. Zuvor war eine Clique von acht Jugendlichen vom Busfahrer zum Verlassen des Fahrzeuges aufgefordert worden. Die Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren hatten im Bus gegrölt und mitgebrachtes Bier verspritzt.

Sie waren in Zehlendorf an den Haltestellen Beeskowdamm und Rehwechsel eingestiegen, dort befindet sich ein Jugendfreizeitheim. An der nächsten Haltestelle Birkenknick bat der 35 Jahre alte Fahrer die Gruppe auszusteigen. Als die Jugendlichen sich weigerten, informierte der BVG-Angestellte die Leitstelle. Jetzt stiegen sie aus, einer von ihnen warf dann mit Schwung seine Bierflasche in eine Scheibe der mittleren Tür. Menschen wurden nicht verletzt – für die BVG bleibt der Schaden von etwa 2000 Euro.

Da die Leitstelle sofort die Polizei angerufen hatte, konnten mehrere Funkstreifen sechs der acht Jugendlichen in der Umgebung festnehmen. Doch Hristian, Jessin, Baptiste, Fadi, Caspar und Pal-Laszlo verrieten nicht, wer die Flasche denn nun geworfen hat, und sie verpfiffen auch ihre beiden geflüchteten Kumpanen nicht. So durfte das aus Wilmersdorf, Schöneberg und Steglitz stammende Sextett nach Personalienfeststellung wieder nach Hause.

Spontane Angriffe von außen auf Busse nehmen derzeit zu, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Weder Sicherheitskabinen für die Fahrer noch Kameras in den Bussen könnten dagegen etwas ausrichten. Wie berichtet, läuft derzeit in jedem dritten Bus eine Videokamera. Alle neuen Busse werden mit Videoüberwachung bestellt. Die testweise in zwei Bussen eingebaute Glasscheibe um den Fahrerplatz werde jedoch von der Mehrheit der Fahrer abgelehnt, sagte Reetz. Der Versuch ist aber nocht nicht abgeschlossen. Viele Fahrer fühlen sich hinter den Scheiben zu sehr eingeengt.

Die von Vandalen verursachten Schäden werden 2004 eine Rekordhöhe erreichen. Im ersten Halbjahr gab die BVG bereits drei Millionen Euro für die Beseitigung der Schäden aus, im Jahr 2003 waren es fünf Millionen Euro.

Im Fall des Angriffs auf einen BVG-Kontrolleur in einer Marzahner Straßenbahn der Linie 7 am Mittwochabend hat die Kripo keine neuen Erkenntnisse. Da der einzige vorübergehend festgenommene Täter, Wladimir K., noch nicht befragt wurde, gibt es keine Hinweise zu den Mittätern. Einer von ihnen hatte einen Kontrolleur mit zwei Schottersteinen beworfen und verletzt.

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