Berlin : Wieder Feuer in der U-Bahn

Jörn Hasselmann

Nur neun Tage nach dem letzten Brand in der U-Bahn musste die Feuerwehr gestern erneut zu einem Feuer bei der BVG ausrücken. Um 12.59 Uhr hatte der Fahrer eines Zuges Rauch im Tunnel der U 2 zwischen den Stationen Neu Westend und Theodor-Heuss-Platz entdeckt. Der Fahrer setzte seine Fahrt bis Theodor-Heuss-Platz fort und alarmierte seine Leitstelle.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Bevor die Feuerwehr alarmiert wurde, schickte die Leitstelle noch den Gegenzug durch den Tunnel und bat den Fahrer, auf Qualm zu achten. Erst als auch dieser Fahrer die - geringe - Rauchentwicklung bestätigte, alarmierte die BVG-Leitstelle um 13.09 Uhr - also mit zehnminütiger Verzögerung - die Feuerwehr. Diese "Plausibilitätsprüfung" durch einen zweiten Fahrer sei üblich, hieß es bei Feuerwehr und BVG übereinstimmend. "Wir können nicht gleich die Feuerwehr rufen, wenn einer sagt, dass es qualmt", hieß es in der BVG-Leitstelle.

Um 13.11 Uhr rückten die ersten Feuerwehren aus, zu diesem Zeitpunkt hatte ein BVGer allerdings schon mit einem Feuerlöscher die Flammen an dem an der Seitenwand des Tunnels verlegten Kabels gelöscht. Menschen wurden nicht verletzt und waren nach Einschätzung der Polizei auch nicht in Gefahr. BVG-Personal hatte die auf den Bahnsteigen wartenden Fahrgäste an nach oben geführt.

Nach der Bestätigung durch den zweiten Fahrer wurde die Fahrpannung in diesem Abschnitt abgeschaltet; zwischen Ruhleben und Deutscher Oper wurde der Verkehr kurzzeitig eingestellt. Nachdem das geringe Ausmaß des Schadens klar war, wurde der Betrieb zwischen Ruhleben und Neu Westend sowie zwischen Pankow und Theodor-Heuss-Platz wieder aufgenommen. Gegen 13.50 rückte die Feuerwehr wieder ab. Nur der direkt betroffene Tunnelabschnitt wurde während der Untersuchung des Kabels durch BVG-Experten noch nicht wieder befahren. Um 14.50 Uhr wurde der durchgehende Betrieb wieder aufgenommen.

Feuerwehrchef Broemme lobte den Zugfahrer als sehr aufmerksam. Die Rauchentwicklung sei so gering gewesen, dass die Feuerwehr nicht einmal die großen Spezialventilatoren einsetzen musste.

Nach Angaben von Feuerwehrchef Broemme war die äußere Isolierung eines so genannten Stromrückleitungkabels genannt - auf 60 Zentimetern Länge in Brand geraten. Dem Tagesspiegel sagte Broemme, dass der Brand an einem solchen Erdungskabel sehr ungewöhnlich sei: "Das ist ganz was Neues, das hatten wir noch nie." Bislang entstanden Brände vor allem an den Stromabnehmern - wo durch die hohen Stromstärken und mechanische Belastungen leicht mehrere tausend Grad heiße Lichtbögen entstehen, die dann die Umgebung in Flammen setzen.

Die Feuerwehr rückt auf den Alarm "Feuer - Tunnel - U-Bahn" sofort mit vier Löschzügen und zuätzlichen Notarzt- und Rettungswagen aus. Mindestens 60 Helfer rasen also sofort zur Unglücksstelle, und sei sie noch so klein. Bei Unglücken im Tunnel steuert die Feuerwehr gleichzeitig die beiden nächstgelegenen Stationen an. Zuletzt hatte es am 1. November auf der U 5 gequalmt, nachdem die Bremsen eines Zuges heißgelaufen waren. In 14 Tagen wollen Feuerwehr und BVG den Termin für die nächste Großübung festlegen, kündigte Broemme an.

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