Berlin : Wieder Kind in der Babyklappe

kf

Es muss alles sehr schnell gegangen sein: Eine Frau trat mit ihrem Säugling in die Ambulanz, legte ihn in die Arme des Arztes und verschwand. "Nachfragen waren nicht möglich, weil sich die Frau umgehend abgewendet hat", sagt Rainer Rossi, Chefarzt der Kinderklinik im Vivantes Klinikum Neukölln.

Hier war erst am vergangenen Mittwoch ein Junge in die Babyklappe gelegt worden. Der Junge, den die Schwestern Felix genannt haben, hat das Krankenhaus bereits verlassen und ist bei einer Pflegefamilie untergebracht. Dem zweiten Findelkind wurde der Name Daniel verliehen. Das Neugeborene wiegt mehr als 3000 Gramm und ist 51 Zentimeter groß. Für das Kind ist jetzt das Jugendamt Neukölln zuständig. Wenn sich die Mutter nicht meldet, wird in acht Wochen das Adoptionsverfahren eingeleitet.

Für den diensthabenden Arzt könnte es Glück gewesen sein, dass keine Zeit zum Fragen blieb. In Köln wurde der Sozialdienst Katholischer Frauen zu einem Ordnungsgeld verurteilt, weil sich die Mitarbeiter weigerten, den Namen einer Mutter, die ihr Kind dort abgegeben hatte, zu nennen. Der Staatsanwalt hatte gegen die Mutter wegen des Verdachts der Verletzung der Unterhaltspflicht ermittelt.

Auch die Berliner Staatsanwaltschaft hat darüber nachgedacht, im Fall Felix ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt einzuleiten. Zwar versprechen die Betreiber von Babyklappen den Müttern Straffreiheit und Anonymität, doch es gibt eine juristische Grauzone. So macht sich eine Mutter auch strafbar, wenn sie die Geburt des Kindes nicht beim Standesamt anzeigt. Die Berliner kamen aber offenbar zu einem anderen Ergebnis als die Kölner Justiz. "Es gibt keinen Anfangsverdacht für eine Straftat", sagt Justizsprecherin Anja Teschner.

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